Volkssport Versicherungsbetrug

Dieses Thema im Forum "sonstige Autothemen" wurde erstellt von ?, 16.02.2002.

  1. ?

    ? Guest

    Da hier immer wieder User zum Versicherungsbetrug aufrufen (gestern erst wieder - Beiträge wurden entfernt), hier mal ein paar Infos zum Thema, wobei zu berücksichtigen ist das eine strafrechtliche Verfolgung durch die Versicherung in jedem Falle eingeleitet wird:

    Jeder Vierte betrügt - Allein bei den Auto-Assekuranzen entsteht ein jährlicher Schaden von etwa drei Milliarden Mark

    Die Bereitschaft der Deutschen, ihre Versicherung zu betrügen, ist nach wie vor hoch: Jeder vierte Besitzer einer privaten Haftpflichtversicherung etwa ist nach eigenen Angaben bereit, die Versicherung ungerechtfertig zur Kasse zu bitten. Dieses Ergebniss einer aktuellen Umfrage nannte jüngst Thomas Staubach, Betrugsexperte im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Im Bereich der Autoteilkasko ist es jeder Zehnte, jeder Fünfte mit einer Hausratversicherung. Von den Autobesitzern gaben acht Prozent an, die Versicherung zu betrügen. Befragt wurden für die Studie insgesamt 3000 Bürger, und Staubachs Hochrechnungen zufolge entstünde allein den Autoversicherungen ein jährlicher Betrugsschaden von rund drei Milliarden Mark.

    Betrug hat seinen Preis. Bezahlen müssen ihn letztlich alle Versicherten. Insgesamt 4,2 Millionen Kfz-Haftpflichtschäden wurden im Vorjahr bei Versicherern in Deutschland angezeigt. Jeder Fall ist mit durchschnittlich 6360 Mark ausgeglichen worden. Zu schaffen machten den Versicherern vor allem die Abrechnung von abgesprochenen oder fingierten Schäden. Zunehmend fielen auch provozierte Schäden auf, bei denen der Unfallverursacher durch Manipulationen tatsächlich der Betrogene ist. "Wenn zum Beispiel von Betrügern mit Bedacht abgestellte Fahrzeuge die Sicht versperren und bei einer Rechts-vor-links-Regelung unvorhergesehen plötzlich ein Auto auf die Straße schießt, knallt es unweigerlich", so Staubach. In diesem typischen Fall werden Autofahrer, so ergaben auch Ermittlungen der Polizei, häufig regelrecht in die Falle gelockt.

    Wenn "Unfälle" vorsätzlich herbeigeführt werden, gibt es für den Vorfall meist keine Zeugen, dafür aber ist unter den Beteiligten alles bis ins Detail abgesprochen. Beliebt ist der Trick, ein Ereignis zu fingieren, um einen schon vorhanden Schaden am Fahrzeug bei dieser Gelegenheit mit ausgleichen zu lassen. Solche Mühe aber macht sich mancher Betrüger gar nicht erst. Sein (fiktives) Ereignis existiert nur auf dem Papier. Und: Schäden am Fahrzeug lassen sich nachträglich ja auch vergrößern. Das wissen natürlich auch Versicherer. Um sich gegen solche Manipulationen zu schützen, haben die Versicherer die Datenbank "Uniwagnis" gegründet, in der alle auffälligen Versicherungsfälle gespeichert werden. Dazu gehören auch alle Verluste (Totalschaden oder Diebstahl) sowie Unfälle mit Mietwagen oder Lkw. Derzeit würden 500 000 Personendaten und drei Millionen Autodaten verwaltet. Erhärtet sich anhand der Unfalldaten ein Betrugsverdacht, werden Polizei oder Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bei der Polizeidirektion Hannover wurde bereits eine neun Mitarbeiter starke Ermittlungsgruppe "Versicherungsbetrug" gegründet. "Von 800 pro Jahr überprüften Versicherungsschäden werden 500 angezeigt", berichtet Kriminalhauptkommissar Gerd Girod - der Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der Bearbeitung von manipulierten Unfällen.

    Die abenteuerlichsten Geschichten wissen auffälligerweise die Besitzer von Autos gehobener Baureihen zu erzählen. Solchen Anspruchstellern gehören dann - rein zufällig - teure Sportwagen, Exoten, GTIs. Und ihre Gegner - die vermeintlichen Verursacher des Unfalls - sitzen vorzugsweise in weniger wertvollen Autos, gern auch in alten Lkws oder in Mietfahrzeugen.

    Häufiger Wechsel des Versicherers wiegt Betrüger in Sicherheit. Aber wo immer sich Verdachtsmomente für einen Betrugsversuch ergeben, tauschen sich Versicherer aus und informieren gegebenenfalls die Polizei. Per Computer wird der Fall auf etwaige Verdachtskriterien gecheckt. Erste Anhaltspunkte ergeben schon Antworten auf dem Fragebogen: Geschah der Unfall in einer abgelegenen Gegend? Gab es trotz eines hohen Schadens keine Aufnahme durch die Polizei? War das Fahrzeug des Schädigers ein Lkw oder Mietwagen? Ein skrupelloser Betrüger hat innerhalb weniger Jahre Dutzende "Unfälle" gemeldet. Den ständigen Wechsel des Versicherers hielt er offenbar für einen genialen Trick. Es hat ja zunächst auch funktioniert. Seine Chuzpe hat ihm zunächst Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 185 000 Mark, am Ende aber dreieinhalb Jahre Gefänfnis eingebracht. Betrüger kommen aus allen Gesellschaftsschichten, häufig aber aus dem sozial schwachen Milieu. Auch die berufliche Berührung mit dem Kfz scheint Überlegungen zu fördern, wie man Versicherer aufs Kreuz legen kann.

    In Deutschland gibt es etwa 150 Kraftfahrversicherer. Nicht alle sind heute gleichermaßen für das Thema Betrug sensibilisiert. Sicher auch im Wissen darum, dass es großen Aufwand kostet, Manipulationen in betrügerischer Absicht nachzuweisen. "Regulieren ist eben oft einfacher", bekennt ein Insider aus der Versicherungsbranche.



    Quelle
     
  2. AdMan

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  3. #2 Marccom, 16.02.2002
    Marccom

    Marccom Guest

    Auch ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die Hemmschwelle zum Versicherungsbetrug sehr niedrig liegt. Auch das verstärkte Vorkommen im sozial schwachen Bereich kann ich bestätigen.

    Nach meiner Erfahrung allerdings mehr im Bereich der Haftpflicht- und Hausratversicherung.
    Da verursachen besuchende Bekannte absichtlich Brandflecken in die mittlerweile 'in die Jahre gekommene' Ledercouch.
    In Wohnzimmertüren wird drei mal jährlich ein Glasbruchschaden simuliert: 'Schliesslich will ich ja mindestens meine Beiträge zurück, die Versicherung muss sich ja lohnen.'

    Beliebt ist die Schadenssimulation auch um eine vorzeitige Kündigung des 'alten' Vertrages zu ermöglichen, denn schliesslich ist ja nach einer Regulierungszu- oder absage innerhalb 14Tage eine Kündigung seitens des Kunden im Bereich der Sachversicherungen (Haftpflicht, Hausrat, Wohngebäude, Rechtschutz, usw.) möglich.
    Dies ist dann sogar Versicherungsbetrug im doppelten Sinne: unrechtmässige Schadensregulierungsforderung gefolgt von unrechtmässiger Vertragsbeendigung. Hurra!

    Wenn ich dann von solchen Massnahmen abrate schaue ich immer wieder in reichlich verständnislose Gesichter:
    'Das ist doch auch Ihr Vorteil, wenn wir aus dem Vertrag rauskommen und was bei Ihnen machen können!'

    Warum ich dies grundsätzlich ablehne hat folgende Gründe:

    1. Für den enormen Beitragsanstieg in der Kfz- bzw. Privathaftpflicht sind nicht etwa die Inflation oder ein enormer Anstieg der Realschäden verantwortlich, sondern die Florierung des Volksportes Versicherungsbetrug!
    Alle Kosten, die dieser 'Sport' mit sich bringt, werden nämlich wehement auf die Versicherungsbeiträge umgelegt. Es wird die sog. 'Versicherungsgemeinschaft' enorm geschädigt. Das makabere dabei ist, das zu dieser Versicherungsgemeinschaft natürlich auch die Betrüger selbst gehören, nur ist da oft die geistige Erkenntnis gefolgt von evtl. Einsicht nicht gegeben. Ganz im Gegenteil: Es wird nach dem sog. Robin-Hood-Prinzip vorgegangen:
    'Nimm den Reichen und gib es den Armen; Also gib es mir!'

    2. Auch wenn es für den Laien zunächst nicht so ausssieht, birgt der Versicherungsbetrug auch für mich Nachteile:
    Gerade im Bereich der Sachversicherungen versuchen sich immer mehr Gesellschaften damit, sich auf das Maklergeschäft zu spezialisieren, was ja in der Regel einen nennenswerten Imageschub mit sich bringt. Nur sind diese Gesellschaften bei weitem nicht so finanzstark wie die 'großen' Gesellschaften (wie Allianz, Aachener&Münchener, ERGO-Gruppe, usw.)[Der Makler setzt sich schliesslich erst seit Ende der 80er Jahre auf dem Versicherungsmarkt mehr und mehr durch].
    Um sich im Maklergeschäft zu behaupten, sind Tarife mit einem Top-Preis-Leistungsverhältnis notwendig, damit der Makler auch mit gutem Gewissen diese Tarife empfehlen kann und wird. Das bedeutet aber auch gleichzeitig, dass sich eine solche Versicherung Zusatzkosten, wie die Ermittlung und Strafverfolgung im Versicherungsbetrug, nicht leisten kann und lieber reguliert. Diese Mehrkosten müssen natürlich unmittelbar auf den Beitrag umgelegt werden (Viele wollen nämlich die Tatsache ignorieren, dass jede Versicherung ein wirtschaftliches Unternehmen mit Gewinn und Verlust darstellt). Dadurch kann der Tarif uninteressant werden, so dass sich der Makler einen anderen Tarif suchen muss und den bisherigen Kunden u.U. eine Erklärung schuldig wird.

    3. Im Gegensatz zum Versicherungsvertreter, steht der Makler in der Riege des Kunden. Wird er mit einem Versicherungsbetrug eines seiner Kunden in tragende Verbindung gebracht, kann er mit in den Ermittlungskreis geraten und angezeigt werden.

    Fazit:
    Der Versicherungsbetrug lohnt sich für niemanden! Auch die Betrüger selbst zahlen für Ihre eig. kriminelle Dummheit! Also mein dringender Aufruf:

    Lasst es bleiben!!!

    Und außerdem: Als absolutes Horrorszenario stell ich mir es vor, wenn nach dem gemütlichen Einparken plötzlich 3 Gestalten an mich herantreten und mir was erzählen wollen, was für einen Schaden auch immer ich verursacht haben soll und obwohl ich mir dann sicher bin, dass es nicht so war, stehen dann da angebliche Zeugen vor mir! In diesem Fall würde ich glaub´ich zum reißenden Tier und mein Gegenüber hätte nur noch wenige Sekunden zu leben!

    Wichtiger Hinweis: Die Beschuldigung dritter anhand falscher Zeugenaussagen fällt in die Kategorie 'schwerer Betrug' und kann mit Gefängnis bestraft werden!!!

    Ausserdem: Wer sich zu solchen Untaten hinreißen lässt 'frisst IMHO auch kleine Kinder' und gehört weggesperrt! So hart wie das jetzt klingen mag. Wer sich angesprochen fühlt sollte sich mal ein paar Nächte seine Gedanken dazu machen!


    Marc
     
  4. Domer

    Domer

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    Hennef
    Mein kleiner Beitrag.. ihr schreibt immer so viel! :)

    Ich habe bei einer Krankenkasse gearbeitet! Dort wird beschissen und gelogen wie sonst nirgendswo!

    Und am schlimmsten sind die, die Zeit haben sich Lügen und Betrügereien auszudenken!

    Wenn ihr also mal wieder auf den Gehaltsscheck schaut, und es wieder was weniger ist, dann bedankt euch bei den netten Leuten, die ewig krank sind (nicht wirklich) und nebenbei fein arbeiten!

    Grüsse


    Domer
     
  5. Draco

    Draco

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    Audi A6 Avant (4F) 2,7 Liter V6; Skoda Citigo 44kW
    also nach meinem ersten Unfall interessiert mich die Versicherung im allgemeinen auch.
    Da ich noch nicht so lange Autofahrer bin, sind mir so manche Sachen noch unklar...
    Aber gibt es keinen Schutz für die Versicherung, Betrug zu vermeiden ?
    Mein Unfall hat mich 1700 Euro gekostet, die Kosten an meinem Wagen nicht mitgerechnet. Und alles nur wegen einer Beule in der Stoßstange und etwas abgeschrapptem lack. Ich hab mir so gedacht damals : Das kann doch kaum sein, über 3000 DM nur um nen teil einer Stoßstange zu lackeren etc.. naja meiN vater meinte, das wird wohl stimmen.

    Irgendwie seh ich da die Kontrollorgane nicht
     
  6. AdMan

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