Škodas Geschichte: "Nichts großes ist uns fremd"

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  1. #1 SkodFather, 05.11.2002
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    Nichts großes ist uns fremd

    Es gab mal Zeiten, wo für die Öffentlichkeit die Marke Škoda mit kleinen Volksfahrzeugen verbunden war. Und es gab wieder andere Zeiten, wo das Werk Škoda eine große Repräsentationslimousine angeboten hat und nichts anderes. Wenn Sie heute zu ihrem Škoda-Händler kommen können und sowohl im kleinen Fabia wie auch im luxuriösen Superb wegfahren können, sollten Sie wissen, dass es in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Automobilwerkes in Mladá Boleslav nichts neues ist. Die großen Fahrzeuge gehören nämlich zur Marke Škoda schon seit jenen Zeiten, in denen sie sich noch Laurin & Klement nannte.

    Das erste Automobil wurde offiziell auf der Pariser Autoaustellung im Jahre 1906 vorgestellt. Die Bezeichnung Voiturette A gab zu verstehen, dass es ein kleiner Wagen mit einem wassergekühlten Zweizylinder in V-Form mit einem Hubraum von 1005 cm3 ist. An Kunden hat es im Werk nicht gemangelt und es gab immer mehr solche, die etwas größeres wollten. Und so ist schon im folgenden Jahr der Typ F erschienen, der einen Reihen-Vierzylinder unter der Haube hatte. Es war das erfolgreiche Triebwerk mit einem Hubraum von 2438 cm3, das zur Basis für eine ganze Reihe Sport- und Rennmodelle und auch eines merkwürdigen Achtzylinders wurde. Im Werk hat man zwei Zylinder- und Kurbelgehäuse auf einer gemeinsamen Kurbelwelle verknüpft und so entstand der Typ FF, der erste Achtzylinder in Mitteleuropa. Er wurde in einen Wagen eingebaut, der im Oktober 1907 das Werkstor verlassen hat und der auf eine Werbefahrt direkt nach Paris gefahren ist. Insgesamt sind nur zwei Exemplare entstanden, welche die technische Reife des Automobilwerkes beweisen haben und die nicht einmal zum Verkauf bestimmt waren.

    Als das Automobilwerk L&K im Jahre 1925 unter die Flügel von Škoda gekommen ist, hat der damals größte tschechoslowakische Konzern bereits seinen eigenen Wagen hergestellt. Um genau zu sein, es handelte sich dabei um ein in Lizenz gebautes Automobil, und zwar kein gewöhnliches: im November 1924 hat sich Škoda für die französischen Luxus-Sechszylinderfahrzeuge Hispano Suiza entschieden. Es waren qualitätsmäßig außerordentlich gute Fahrzeuge, welche zur höchsten Kategorie zählten und welche die Paradestücke der Weltschatzkammer in dieser Branche sind. Verständlicherweise stimmte auch der Preis. Das Chassis eines Rolls Royce Silver Ghost kostete 1850 Pfund, während der Interessent für ein Chassis von Hispano Suiza noch weitere 350 Pfund drauflegen musste. Der erste Wagen wurde bei Škoda im Frühling 1926 gebaut und er wurde im Mai auf die Prager Burg geliefert, für T. G. Masaryk, den ersten tschechoslowakischen Staatspräsidenten. Der Reihen-Sechszylinder mit dem OHC-Ventiltrieb hatte einen Hubraum von 6654 cm 3, eine Leistung von 73,5 kW (100 PS) und er entwickelte eine Spitzengeschwindigkeit bis zu 140 km/h. Das edle Herz des Wagens konnte seinen Ursprung im Flugzeugbau nicht verbergen, die Motoren von Hispano Suiza wurden in einer ganzen Reihe europäischer Länder in Flugzeuge eingebaut. Daher hatten die Limousinen Škoda - Hispano Suiza vom Typ 25/100 eine doppelte Zündung, also auch zwei Zündkerzen pro Zylinder. Der Wagen hatte alle nur erdenklichen Vorteile. Der Motor war so elastisch, dass man selbst im dritten Gang anfahren konnte, der erste Gang wurde nur beim Einparken eingelegt. Das einzige Problem haben die Bremsen dargestellt, Kein Wunder, wenn der Škoda HS zwei Tonnen gewogen hat. Insgesamt sind 100 Exemplare hergestellt worden, viele davon nur als Chassis, für das dann bekannte tschechische Karosseriebauer, vor allem Brožík in Pilsen und Jech in Prag ihre Karosserien bauten. Der Vollständigkeit wegen muss man noch erwähnen, dass mit dem Škoda HS noch eine kleine Komplikation verbunden war: Die billigste Ausführung eines offenen Sechssitzers kostete im Jahre 1929 um 190 000 Kronen, was bei einem anständigen Monatsgehalt eines Beamten um die 1000 Kronen wirklich viel Geld bedeutete. Nichtsdestoweniger sagen die hundert gebauten und in der kleinen Tschechoslowakei verkauften Fahrzeuge auch über etwas aus.

    Nicht nur vom Luxus lebt ein Automobilwerk, im Gegenteil. Die Serienproduktion, Unifikation der Teile und ein breites Angebot sind der Weg zum Erfolg. In Mladá Boleslav war man sich dessen bewusst und Ende der 20. Jahre wurde eine Reihe Automobilen angeboten, die gemeinsame Teile und ganze Baugruppen hatten – Achsen, Getriebe, Kolben, Pleuel und viele weitere. Das galt zum Beispiel über die Fahrzeuge 4R und 6R, also über die Vier- und Sechszylinder mit den Zylinderabmessungen Ø 75 x 110 mm und mit dem Hubraum von 1944 bzw. 2916 cm 3. Im Jahre 1929, als man die Produktion von Škoda – Hispano Suiza beendete, hat das Automobilwerk einen neuen Luxuswagen Škoda 860 vorgestellt. Der Typbezeichnung ist zu entnehmen, dass es ein Reihen-Achtzylinder mit einer Leistung von 60 PS war. Kein Wunder, dass seine Zylinder die Abmessungen Ø 75 x 110 mm hatten und dass der Motor daher einen Hubraum von 3880 cm 3 hatte. Das Werk hat sicherlich nicht erwartet, dass der Achthundertsechziger zu einem Verkaufsschlager wird. Man wollte nur die Reihe der angebotenen Typen vom kleinsten Škoda 422 (insgesamt 3435 hergestellte Fahrzeuge) vervollständigen, um jeden Wunsch entgegen zu kommen. Im Automobilwerk wurden insgesamt 49 Fahrzeuge vom Typ 860 gebaut, wovon bis heute (allem Anschein nach) nur ein einziger erhalten wurden. Sollten sie sich davon überzeugen wollen, wie der Luxus vor einem fast Dreivierteljahrhundert ausgesehen hat, besuchen sie das Škoda Auto Museum in Mladá Boleslav, das blaue Cabriolet steht dort in seiner ganzen Pracht.

    Am Anfang wurde der neue Škoda Superb erwähnt. Unter diesem Namen wurden schon seit 1934 Automobile gebaut. Im Jahre 1936 sind sie zum ersten mal als Sechszylinder mit der Standard-Bohrung Ø 75 mm und dem Hub von 102 mm erschienen. Im selben Jahr bekamen sie alternativ auch den Motor mit den bekannten Zylinderabmessungen Ø 75 x 110, also identisch mit dem Typ 6R, der aber bereits seit sechs Jahren nicht gebaut wurde. Unter der Haube des Superb hat es eine ganze Reihe Triebwerke gegeben. Wie es sich für einen Wagen dieses Namens gehört, ließen sich die wohlhabenden Kunden auf dessen Chassis Karosserien nach Maß fertigen. So entstand ein Wagen vom Ende der 30. Jahre beim größten tschechischen Karosseriebauer Josef Sodomka in Vysoké Mýto entstanden. Das aerodynamisch herabfallende Heck und die abgedeckten Hinterräder, die dominante Linie vom vorderen Kotflügel bis zur hinteren Stoßstange - das alles unterstreicht die Eleganz, die mit den Jahren nichts an Qualität verliert. Einfach Superb.

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