Skoda: Eigensinn von der Stange

Diskutiere Skoda: Eigensinn von der Stange im Skoda allgemein Forum im Bereich Skoda Forum; hi community, folgender bericht ist zwar schon in einem anderen thread verlinkt, aber ich denke, er hat es verdient, einen eigenen...
SkodFather

SkodFather

Forengründer
Dabei seit
08.11.2001
Beiträge
1.406
Zustimmungen
20
Ort
Winnenden
Fahrzeug
Mitsubishi Eclipse Cross PHEV
Werkstatt/Händler
Autohaus Graf, Winnenden
Kilometerstand
100
hi community,
folgender bericht ist zwar schon in einem anderen thread verlinkt, aber ich denke, er hat es verdient, einen eigenen diskussionsrahmen zu bekommen!
meiner meinung nach einer der sehr seltenen wirklich guten und positiven artikel über skoda!
zwar schon ein jahr alt, hat aber nichts von seiner aktualität verloren:

Eigensinn von der Stange

Die Technik stammt aus dem Konzernregal. Dennoch baut die tschechische VW-Tochter Skoda Autos, die unverwechselbar sind. Ein Besuch bei den Blechschneidern von Mlada Boleslav

Von Burkhard Strassmann



Die Sache ist genial, könnte aber auch eine dieser vogeligen Ideen sein, denen man auf der Nürnberger Erfindermesse begegnet: Warum sägt man nicht im Auto in die Rückenlehne des Beifahrersitzes ein Loch, damit der Fondpassagier seine Beine durchschieben und ausstrecken kann? Für den Fall, dass der Chauffeur durch Gerüche belästigt wird, könnte man einen Fußsack beilegen. Etwa einen großen Plastikbeutel, mit Henkeln. Damit er, wenn gerade keine Füße drinstecken, auch als Einkaufstüte dienen kann. Sogar als Hundesack! Schrill? Nein: Skoda!

Das neueste Tschechenauto aus Mlada Boleslav, einem Industriestädtchen nordöstlich von Prag, trägt den eigentümlichen Namen Superb, wird derzeit der Presse vorgestellt und steht ab März bei den Händlern. Der Superb bietet eine Reihe pfiffiger Detaillösungen: etwa ein ausklappbares Kofferraum-Organisationssystem, damit dort nichts mehr herumfliegt. Ein Spezialfach für tropfnasse Regenschirme, ein gekühltes Handschuhfach und eine in die Scheinwerfer integrierte Waschanlage. Dahinter steht, sagt Wilfried Bockelmann, Vorstandsmitglied und Leiter der technischen Entwicklung, die wichtigste Botschaft von Skoda: "Viel Auto fürs Geld."

Das gilt als das Wunder von Mlada Boleslav: Ein Skoda ist heute tatsächlich "viel Auto". Dabei stand die Marke jahrzehntelang für anachronistische Ostblockautos, die im Westen nur schräge Typen fuhren. Die mussten Witze aushalten wie diesen: Warum hat ein Skoda Heckscheibenheizung? Damit man beim Schieben keine kalten Finger bekommt! Doch nachdem Volkswagen sich 1991 beim maroden Staatsbetrieb einkaufte, blühte die Firma auf und kriegte die Kurve. Rund 65 000 Autos verkaufte Skoda im Jahr 2000 nach Deutschland, ein Plus von etwa 20 Prozent. Man überholte die Konzernschwester Seat und ärgerte VW (minus 12 Prozent). Im vergangenen Jahr erzielte Skoda den siebten Rekord in Folge, legte erneut zu (5,7 Prozent). Mit nur zwei Modellreihen.

Wolfsburg ist unendlich weit

Was BMW mit Rover misslang - die Integration einer Marke mit miserablem Image zur Abrundung des Programms -, warum funktionierte es bei Skoda? Wohl deshalb, weil VW radikal mit der geschäftsschädigenden Tradition der Marke brach (nur das Markenzeichen und die Uralt-Modellnamen überlebten). Die neuen Hausherren brachten eine neue Fabrik, neue Technik und neues Design mit. War der erste VW-Skoda, der Felicia, noch erkennbar verwandt mit dem ostigen Favoriten, wurde der Octavia auch optisch völlig neu erfunden - und gleich ein Volltreffer. Chefdesigner Thomas Ingenlath charakterisiert das Auto als "streng, modern, aber nicht modisch, mit harten Flächen und einprägsamem, leicht verschmitztem Gesicht, aber nicht lustig". Eher konservativ also. Ingenlath, früher bei Audi und VW (D1-Projekt) tätig: "Ich habe ja auch noch nie so eine konservative SPD erlebt." Anders gesagt: keine Experimente, keine Sperenzchen, "wir profilieren uns ja erst". Immerhin sind Octavia und Fabia so markant gezeichnet, dass man ihre Familienzugehörigkeit auf Anhieb erkennt. Das gilt besonders für die leicht bullige Schnauze, die beim Fabia zum "Bonsai-Effekt" führt (so klein und schon so ernst!). Sie passt erst recht zum dritten Familienmitglied, zum Superb.

Doch auch der schönste Skoda hätte nur ein "Wir haben's ja gewusst" provoziert, wäre er in den Dauertests der Automobilzeitungen negativ aufgefallen. Eher das Gegenteil geschah: Begeistert bis hämisch berichteten die Testredakteure, die Tschechen stellten sogar Wolfsburg in den Schatten. In 100 000-Kilometer-Dauertests wurde der - zur Golfklasse gehörige - Octavia-Combi besser bewertet als der Passat-Variant. Ein technisch gleichwertiges Auto für erheblich weniger Geld - so lautete immer wieder die Botschaft.

Die viel diskutierte Plattformstrategie, von Piëch durchgesetzt, zeigte hier ihre Stärken. Alle Konzernmitglieder, von Audi über VW und Seat bis Skoda, bedienen sich bei Bodengruppe, Fahrwerk und Antriebsstrang im Konzernregal. Außenhaut und Innenausstattung machen die Töchter selbst. Für den gemeinen Autokäufer verkürzen sich die Zusammenhänge auf die einfache Formel: Skoda ist VW im anderen Kleid und kostet ein paar Tausender weniger.

Zu kurz gedacht, findet der Entwicklungschef. Skoda ist mehr! Zwar nutzen der Fabia die Polo- und der Octavia die Golf-Plattform des Konzerns. Und der Superb ist auf der Passat-Plattform aufgebaut. Doch die tschechischen Autos sind eigenständige Vehikel. So sind sie durchweg ein Stück länger als ihre Plattformbrüder - dank eines verlängerten Bodens. Der größere Radstand schafft Platz auch auf den hinteren Rängen. "Wir reden eher von Baukasten", sagt Bockelmann. "Wir sind die intelligenten Applikateure. Wir holen uns von Audi und VW die guten Sachen aus dem Regal. Wer interessiert sich schon fürs Getriebe, solange es funktioniert?"

Die Kernkompetenz der Tschechen ist die Blechbearbeitung. Der drittälteste Automobilhersteller der Welt (nach Daimler-Benz und Peugeot), ansässig in einer Stadt, in der wie in Rüsselsheim jeder Zweite beim Werk arbeitet, kann immer noch auf zahllose erstklassige Blechbieger zurückgreifen. Im Konzern ruft man Bockelmann an, wenn ein Prototyp gebaut werden muss. Bis auf die Plattformbleche baut Skoda alle Blechteile selbst. Auch die Produktionswerkzeuge entstehen in der Regel in Mlada Boleslav. Bockelmanns Abteilung Technische Entwicklung hat insgesamt 1270 Mitarbeiter (davon neun Deutsche). Sein Merksatz lautet: "Wir machen alles, was man sehen, fühlen oder riechen kann." Und hören: Den "satten" Klang einer ins Schloss fallenden Tür kann man nicht aus einem Regal nehmen. Dasselbe gilt für Aerodynamik, Sicherheit und Fahrwerkabstimmung für die modifizierten Plattformen. Die gelegentlich störanfälligen Elektrik- und Elektronikbauteile wiederum sind VW-Teile, was einen unschätzbaren Vorteil hat: Als jüngst ein Test-Octavia bei Auto Bild liegen blieb, war ein Relais des Motorsteuergerätes kaputt. Schimpf und Schande kassierte nicht Skoda, sondern VW: "Der zuverlässige Skoda Octavia bekommt seine Schelte meist für fehlerhafte Teile, die von der Mutter in Wolfsburg stammen."

Die Zeiten sind vorbei, da man sein Licht unter den Scheffel stellte und bei den Neuwagen "Volkswagen Group" ins Heckfenster klebte. "Für die Leute hier ist Wolfsburg unendlich weit weg", hat der Entwicklungschef festgestellt, "das ist eine tschechische Firma, die aus Versehen einen deutschen Eigentümer hat. Wir sind froh, wenn der uns in Ruhe lässt." Noch ist es in Tschechien billiger, Menschen statt Roboter ans Band zu stellen. Das ermöglicht eine für westeuropäische Verhältnisse unvorstellbare Fertigungstiefe (selbst eine Gießerei ist im Werk integriert). So konnte man veritable "Westautos" zu Fernostpreisen anbieten. Doch der Trend bei Skoda geht weg vom Billigauto.

Fabia und Polo sind preislich nicht mehr weit voneinander entfernt. Die Basisversion des Octavia, gut 1000 Euro billiger als der Golf, ist kaum gefragt; man kann für die Luxusversion mittlerweile auch 28 000 Euro anlegen. Ein "nackter" 3er BMW oder ein voll ausgestatteter Octavia - das soll ab sofort die Alternative sein, wenn es um die Anschaffung von Firmenwagen geht. Den neuen Superb wird es zum Einstiegspreis von 22 000 Euro (2-Liter-Maschine) geben. Er ist damit genau so teuer wie der entsprechende Passat, aber Granada-Klasse eben. Der Superb soll auf dem Markt Volvo angreifen, ansonsten überall da einspringen, wo Opel (Omega) und Ford schwächeln. Dies gilt für den Westen, wo diese Fahrzeuge - etwa beim ZDF oder Hessischen Rundfunk - als Flottenfahrzeuge dienen.

Dann fehlt nur noch der große Kombi. Seit den ersten Tuschezeichnungen des Autos, das damals noch Montreux hieß, spekuliert alle Welt, wann ein Superb Combi als härtester Konkurrent des Passat kommt, der zu 80 Prozent als Variant verkauft wird. Gezeichnet sei er schon, sagt der Chefdesigner (und dann kein Wort mehr). Doch ansonsten winkt man bei Skoda ab: gibt's nicht. Auf absehbare Zeit. Und das sei kein Piëch-Verdikt!

Beim Thema Superb-Combi wird ein heikler Bereich tangiert: das Skoda-Image. Bei Mercedes, einer Marke mit erzsolidem Image, können Autos reihenweise umkippen - und werden weiter gekauft. Aber Skoda? Der Ostblockgeruch ist noch nicht völlig verduftet. "Das Pflänzchen Skoda-Image ist gerade mal fünf Jahre alt", sagt Wilfried Bockelmann. Und da will er es keinesfalls riskieren, dass man im Spitzenmodell Farbeimer durch die Gegend fährt und es - Gott bewahre! - an einen Handwerker-Omega erinnert. Das könnte die Marke runterziehen in die Billigecke.

Billig sind sie zwar noch, die Autos aus Mlada Boleslav. Aber das soll man nicht mehr sagen. Man soll von smart buy reden. Und dabei an jene denken, die Champagner bei Aldi kaufen.

quelle DIE ZEIT 05/2002
 

?

Guest
Na wir haben es ja immer gewußt was für feine Wägelchen wir da fahren, aber einige Skoda-Hasser wird dieser Artikel sicher übelst ärgern. Vielleicht sollte sich das auch mal der eine odere andere Händler durchlesen, der mehrere Marken aus dem Konzern vertritt und dann deutlich selbstbewußter die Fahrzeuge von Skoda anbieten.

Gruß
Mic
 
Lucky

Lucky

Dabei seit
08.11.2002
Beiträge
2.835
Zustimmungen
76
Ort
Dortmund
Fahrzeug
Fabia 6Y5 2.0 Combi Elegance *verkauft*
Werkstatt/Händler
AH Kosian IS
Kilometerstand
205000
Da kann ich nur sagen:

HUT AB !!!

:respekt: :respekt: :respekt:
 

Štefan

Dabei seit
10.11.2001
Beiträge
716
Zustimmungen
1
Ort
Konstanz/Bodensee
Fahrzeug
Škoda Yeti 1.8 TSI Experience BJ 2009, Octavia 1.8 TSI Elegance BJ 2010, Fabia 1.4MPI 68PS, BJ 2000,
Werkstatt/Händler
Gohm + Graf Hardenberg Aach
Kilometerstand
499
Ich kannte den Text noch nicht und muss sagen: wirklich super geschrieben. Der Autor kennt sich aus ;-)

Ich werde den Text drucken und denjenigen zeigen, die über meinen Fabi lästern (ist aber bisher noch nicht vorgekommen).

Gruß Stefan :wink:
 

Tobi

Dabei seit
07.07.2002
Beiträge
1.040
Zustimmungen
10
Moment mal...
Immerhin sind Octavia und Fabia so markant gezeichnet, dass man ihre Familienzugehörigkeit auf Anhieb erkennt. Das gilt besonders für die leicht bullige Schnauze, die beim Fabia zum "Bonsai-Effekt" führt (so klein und schon so ernst!).
Der Fabia ist nicht klein! :nono:

Jetzt wissen wir auch: Einen Superb Combi wird vorerst net geben, damit kein Maler seine Farbeimer mit dem exklusiven Topmodell rumkutschiert.

Vielleicht ändert sich das ja, wenn sie eine Monster-Limousine auf Phaeton-Basis bringen, die irgendwo zwischen 7er BMW und Maybach angesiedelt ist *g*.
Dann könnte Skoda z.B. BMW überall angreifen:
Mini<>Fabia (Sedan, Limo, Kombi)
3er<>Octavia (Limo, Kombi)
5er<>Superb (Limo, Kombi)
7er<>Monster-Skoda (Limo)
Nur mal so ne Überlegung. Aber dazu müßte sich jenes Image noch etwas festigen. Aber absolut unwahrscheinlich ist es auch net. Vor 5 Jahren hätte auch niemand an nen Superb geglaubt.

skoda:=plattformbasis+0,5;

Mir ist auch beim durchlesen klar geworden, daß zu Skoda eigentlich auch nix kleineres als ein Fabia paßt.
 
StefanS

StefanS

The Riddler
Dabei seit
12.02.2003
Beiträge
763
Zustimmungen
29
Ort
63165 Mühlheim
Fahrzeug
Fabia Combi III Monte Carlo
Werkstatt/Händler
Autohaus Best, Offenbach/Main
Kilometerstand
16.000
Hallo,

also ich kann mit dem "Eigensinn von der Stange" sehr gut leben.

Der Text ist wirklich sehr gut geschrieben :deal:

Kann man getrost alles Spöttern und Skoda-Feinden in die Hand drücken. :veilchen:

Gruß

Stefan S
 

Foxboy

Guest
LOL!

Also: Wenn bei mir demnächst das Mäusekino Galavorstellung hat und die Servolenkung samt ABS in einer eisglatten winterlichen Hochgeschwindigkeits-Spitzkehre ausfallen, dann werde ich mich bei SAD nicht beschweren können.

VW ist an allem schuld, was bei einem Skoda kaputt gehen kann :narr:

Fox
 
Thema:

Skoda: Eigensinn von der Stange

Skoda: Eigensinn von der Stange - Ähnliche Themen

Rückruf Škoda: Brandgefahr im Motorraum > Octavia, Superb und Kodiaq,: Betroffen sind laut KBA – obwohl es noch keine Datenbank-Listung gibt – auch der Skoda Octavia, Superb und Kodiaq, bei denen die letzten Autos mit...
SKODA AUTO fertigte 2020 trotz COVID-19-Pandemie mehr als 750.000 Fahrzeuge: Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie spiegeln sich auch in den Produktionszahlen von SKODA AUTO in den tschechischen Werken wider. Trotz des...
ŠKODA AUTO DigiLab Carsharing-Plattform HoppyGo war auch im Jahr 2020 auf Erfolgskurs: Mladá Boleslav (ots) › HoppyGo verzeichnete 2020 im Vergleich zum Vorjahr 81 Prozent mehr Miettage, 52 Prozent mehr Nutzer und 31 Prozent mehr...
Wo kann man sich bei Skoda beschweren? Gibt es eine Beschwerdestelle?: Guten Tag zusammen, seit März habe ich einen Skoda Karoq. Aber so richtig Freude mag nicht aufkommen. Das Fahrzeug ist geleast, ausgeliefert...
Autoempfehlung mit Platzangebot: Hallo liebe Skoda Community, ich bin auf der Suche nach einem Neuen für nächstes Jahr. Ich fahre aktuell einen Skoda Octavia 1Z. Bin damit...
Oben