Sinnvolle Entwicklungen (Vorsicht langer Artikel)

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Sinnvolle Entwicklung oder totale Überwachung?

Wie riskant ist eine Autofahrt bei Unwetter?
Schweizer Forscher entwickeln eine Weltneuheit. Eine Methode, welche die Gefahr beim Autofahren berechnet und anzeigt.

Von Peter Höllrigl

Der Tachometer zeigt 120 Kilometer pro Stunde, die Strasse ist abfallend, und es herrscht Nebel. Jeder Autofahrer weiss, dass dies Gefahr bedeutet. Aber wie viel und wie verändert sich diese Gefahr in ständig wechselnder Umgebung?

Diese Fragen stellte sich auch der Risikoforscher Adrian Gheorghe von der ETH Zürich und entwickelte eine Weltneuheit - den «Risikometer» -, eine Methode, welche dem Autofahrer das Risiko seiner Fahrt berechnet und anzeigt. «Wir wollen den Autofahrer das Risiko der Fahrt spüren lassen. Denn erst wenn der Fahrer das Risiko optisch in der Anzeige sieht, glaubt er daran», erläutert Gheorghe. Diese so genannte «Live-Risiko-Analyse» ist erst seit kurzem ein anerkannter Begriff unter den Risikoforschern. Das «Risikometer»-Konzept ist vorerst noch ein Computer-Simulationsprogramm.

Der ETH -Forscher lädt uns zu einer Risiko-Probefahrt in sein Büro ein. Bevor die Fahrt beginnt, muss eine Teststrecke im elektronischen Routenplaner gewählt werden. Dieser verfügt über detaillierte dreidimensionale Angaben der Schweizer Strassen. Weitere Grössen wie zum Beispiel das Wetter, der Strassenzustand und die Geschwindigkeit müssen ebenfalls definiert werden.

Die virtuelle Fahrt am Computer geht los. Der Bildschirm zeigt die Sicht des Autofahrers durch die Windschutzscheibe, eine elektronische Landkarte der Schweiz und das Armaturenbrett mit dem «Risikometer» - einen grün-rot leuchtenden Balken. Der künstliche Horizont passt sich während der Fahrt stets an die reale topografische Landschaft an. Der Balken des «Risikometers» oszilliert hektisch zwischen wenig Risiko und viel Risiko. «Auf diesem Streckenabschnitt sind das schnelle Tempo und der starke Regen verantwortlich für das hohe Risiko», kommentiert Gheorghe die Fahrt. «Würde der Fahrer vom Gaspedal runter oder wäre die Strasse trocken, wäre das Risiko kleiner.»

Dies ist für den Laien auch noch ohne Computer nachvollziehbar, aber sobald man alle Risikogrössen einer Autofahrt einbezieht, ist das Resultat nicht mehr trivial. Der Computer vernetzt den Zustand des Autos mit den herrschenden Wetter- und Strassendaten. Daraus berechnet er drohende Gefahrenpotenziale und setzt diese optisch im Risikobalken um.

Sensoren überwachen Autofahrer
Gheorghe ist dabei, die Konkretisierung des «Risikometer»-Konzepts voranzutreiben. Bislang sind nur er und sein rumänischer Kollege Dan Vamanu in das Projekt involviert. Das Konzept scheint theoretisch ausgereift, die Umsetzung steht hingegen erst am Anfang. Der entscheidende Schritt vom Computer in ein reales Auto ist noch nicht gemacht. Kritiker meinen, dass viele wichtige Grössen, die bei der Sicherheit im Verkehr eine Rolle spielen, wie der Strassenzustand oder das Fahrverhalten anderer Autos, fehlen und sich generell auch nicht messen lassen. Gheorghe ist da anderer Meinung: «Theoretisch lassen sich alle wichtigen Risikogrössen durch gemessene Parameter berechnen. Es ist nur eine Frage der Messsensortechnik.» Und diese macht rasante Fortschritte, betont Gheorghe. «Forscher sind dabei, Sensoren zu entwickeln, welche die Müdigkeit des Fahrers auf Grund der Bewegung der Augenlider erfassen können.» Solche Grössen könnten dann relativ einfach in das baukastenartig aufgebaute Computerprogramm integriert werden, und das «Risikometer»-Konzept wäre der Realität einen weiteren Schritt näher.

Versicherungsprämien sinken
«Eine interessante Anwendung des 9Risikometer:-Konzepts bietet sich bei den Autoversicherungen», so Gheorghe. Das Computerprogramm speichert nämlich alle relevanten Risikodaten in einer Monatszusammenfassung ab. Falls sich der Fahrer einverstanden erklärt, würden diese Daten dann einer Versicherung als Grundlage für ihre Prämien dienen. Das heisst konkret: «Wer risikoarm fährt, zahlt weniger, und umgekehrt.» Versicherungen wie auch namhafte Autohersteller haben schon Interesse an der Methode gezeigt. Eine weitere sinnvolle Anwendung des «Risikometers» sieht Gheorghe bei der Schulung von Fahrern. Zum Beispiel beim Transport gefährlicher Chemikalien auf der Strasse könnten Fahrer spezifisch auf die Risiken verschiedener Transportrouten vorbereitet werden.

Die «Live-Risikoanalyse» wird zurzeit auch für das Schweizer Schienennetz erarbeitet. Die ETH-Forscher untersuchen das Risiko chemischer Gifttransporte, welche bis heute noch durch bewohntes Gebiet fahren. Nebst der Risikoermittlung einzelner Streckenabschnitte können mit dieser Methode auch die Folgen von Unfällen mit giftigen Chemikalien berechnet werden. Dies ermöglicht es in Zukunft, optimale, risikoarme Routen im Voraus zu planen und die Lokführer auf gefährliche Streckenteile zu sensibilisieren.

Grosse Vorteile des Konzeptes sind der flexible Aufbau, der jegliche Erweiterungen zulässt, und der tiefe Preis. Vergleichbare Fahrten-Simulatoren sind um ein Vielfaches teurer.

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