Pischetsrieder räumt auf: geht es Skoda wie Seat?

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    Offiziell beerbt der designierte VW-Chef Bernd Pischetsrieder seinen Vorgänger Ferdinand Piech erst in gut drei Monaten. Doch schon jetzt gibt Pischetsrieder den Ton an. So sorgte er erst diese Woche wieder für Aufregung in der Ingolstädter Audi Zentrale und bei den Audi-Händlern. Im Zuge der neuen Markenstrategie des VW-Konzerns sollen die Händler in Zukunft auch Autos der Marke Seat verkaufen, ließ er in einem Interview verlauten. Doch nicht erst seit der Aufteilung der VW-Konzernmarken in ein sportliches und ein klassisches Markenteam, wird im Konzern eifrig an der zukünftigen Positionierung der einzelnen Marken gefeilt. Bei der VW-Gruppe mit den Marken Skoda, Volkswagen, Bentley und Bugatti ist die Einordnung noch relativ klar: Skoda wird Volkstribun, Volkswagen empfängt die gediegenen Aufsteiger und reicht sie - sollten ihnen Phaeton-Luxuslimousine und Nardo-Sportwagen nicht reichen - an Bentley oder Bugatti weiter. Hier muss lediglich an der Schärfung einzelner Profile gearbeitet werden. Ungünstiger sieht die Lage bei der Audi-Gruppe aus. Weniger bei Lamborghini (lebt vom Mythos, der mit dem Murciélago gerade erfolgreich reanimiert wird), mehr bei Audi (wird von Volkswagen im angestammten Segment bedrängt und soll künftig stärker Richtung Sport rücken) - am ungünstigsten jedoch bei Seat. Die südländische Marke muss völlig neu positioniert werden.

    Wird der A2 ein Opfer der Neuausrichtung?
    Den Grundstein dafür hat der designierte Volkswagen-Chef und Noch-Seat-Boss Bernd Pischetsrieder bereits gelegt. Seit er bei der spanischen VW-Tochter das Ruder übernommen hat, wird hart am neuen Image der bis dato eher profillosen Marke gefeilt. Ergebnis: Der neue Ibiza. Er bringt Seat näher an Pischetsrieders Zielvorgabe, die Marke unterhalb von Audi zu positionieren: sportlich, designorientiert und damit emotionsbetont soll sie erste Adresse für junge, lifestyleorientierte, sportliche Leute werden. Pischetsrieder: "Seat muss die Rolle eines kleinen Audi übernehmen und die Kunden dann später, wenn es um ein größeres Auto geht, an Audi weiterreichen". Der Ansatz, möglichst viele Marken in unterschiedlichen Preiskategorien als Vollsortimenter gegeneinander antreten zu lassen, ist somit ad acta gelegt. Und damit scheint auch das Schicksal des A2 besiegelt zu sein: ein Nachfolger macht bei dieser Neuausrichtung wenig Sinn. Fragen zu diesem sensiblen Thema werden in Ingolstadt nicht beantwortet - hinter vorgehaltener Hand ist allerdings zu hören: "Möglich ist alles“.

    Gemeinsames Entwicklungszentrum für alle Marken der Audi-Gruppe?
    In diesem Zusammenhang erscheint auch eine weitere Überlegung des neuen, starken Mannes an der Spitze als konsequent: Künftig soll die gesamte Forschungs- und Entwicklungsarbeit der sportiven VW-Markengruppe in Ingolstadt zusammengefasst werden. Pischetsrieder: “Natürlich muss man sich überlegen, wie die Entwicklungskapazitäten der einzelnen Marken künftig besser genutzt werden können“. Für Seat würde das allerdings bedeuten: das Entwicklungszentrum in Martorell mit über 2.000 Beschäftigten steht zur Disposition. Und da auch die Designabteilung mit Seat-Chefdesigner Walter de Silva in Martorell beheimatet ist, soll es im Unternehmen Überlegungen geben, de SiIva, der erst vor zwei Jahren von Alfa geholt wurde, die gestalterische Gesamtverantwortung der Audi-Gruppe zu übertragen. Vorher muss er jedoch der südländischen Marke zum Erfolg verhelfen.

    Der neue Seat Ibiza ist die Speerspitze der Marke?
    Basierend auf den Studien Salsa und Tango werden künftig alle neuen Seat-Modelle maskuline, sportliche Züge tragen. Startschuss ist der neue Seat Ibiza, der Anfang 2002 zu den Händlern rollt. Ihm fällt auch nach Überzeugung von Pischetsrieder eine Schlüsselrolle zu. “Der neue Ibiza soll die bisherigen Seat Kunden in eine neue Zeit überführen. Er besitzt für uns eine Brückenfunktion.“ Seat will sogar "die sportlichste Marke in den Verkaufssegmenten, wo wir vertreten sind“ werden, betont Lars Henner Santelmann, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Seat. Zu dieser Profilierung gehört sicherlich auch, künftig Italien als wichtigsten Exportmarkt zu definieren. Dort will man, das ist erklärtes Ziel, vor allem Fiat Marktanteile streitig machen sowie Alfa vom Sportthron stoßen. Deshalb wird der Ibiza auch zuerst in Italien (im Januar) auf den Markt gebracht, bevor mit Spanien (Februar) der Heimatmarkt folgt. Danach wird sukzessive der Rest von Europa mit dem neuen Claim "Geboren aus Leidenschaft und Stärke“ versorgt.

    2002 sollen wieder weit über 500.000 Einheiten verkauft werden?
    Die beschriebenen Anstrengungen sind auch nötig, da sich der gesamteuropäische Markt für Seat 2001 rückläufig entwickelt hat. Wurden im Jahr 2000 noch über 510.000 Fahrzeuge in Europa abgesetzt, haben sich im laufenden Jahr nur noch gut 490.000 Kunden für die südländische Marke entschieden. Den Grund dafür sieht Vertriebschef Santelmann in der allgemein schwachen Konjunktur, aber auch in der Neuausrichtung der Marke. Der rückläufigen Entwicklung in Deutschland - allein von Januar bis Oktober minus 16,8 Prozent - stellt er den Positivtrend in anderen europäischen Ländern gegenüber: Großbritannien (plus 39 Prozent), Schweiz (plus 13 Prozent), Griechenland (plus sechs Prozent), Frankreich (plus drei Prozent). Santelmanns Ziel für 2002: weit über 500.000 verkaufte Einheiten.

    Deutschland: Marktanteil von zwei Prozent bis 2005?
    Auch der seit dem 1.März 2001 amtierende Geschäftsführer von Seat Deutschland, Peter Maiwald, will nach dem Jahr der Konsolidierung wieder kräftig Gas geben. Den Einbruch auf knapp 43.000 verkaufte Einheiten erklärt er mit dem stark zurückgeschraubten Geschäft mit Tageszulassungen und dem zurückgefahrenen Vermietgeschäft. Bereits im Jahr 2002 rechnet er wieder "mit gut 55.000 verkauften Fahrzeugen“. Das würde einem Marktanteil von gleichbleibend knapp 1,5 Prozent entsprechen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das neue Markenimage im nächsten Jahr vor allem über zwei Modelle kommuniziert: Den Seat Leon, Fließheckvariante des Toledo, und den neuen Ibiza. "Allein für die dreieinhalb Monate dauernde Einführungskampagne des Ibiza haben wir über 14,5 Millionen Mark veranschlagt“, so Maiwald. Ingesamt stehen Seat Deutschland für Marketingmaßnahmen knapp 35 Millionen Mark zur Verfügung. Das jährliche Budget wird bis 2005 allerdings noch kräftig steigen müssen: 75.000 verkaufte Autos oder zwei Prozent Marktanteil lautet die Zielvorgabe des künftigen Konzernlenkers Pischetsrieder.
     
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