Kleine Geschichtsstunde: Joint-Ventures bei/mit Skoda

Dieses Thema im Forum "Skoda allgemein" wurde erstellt von M.Herrmann, 20.11.2002.

  1. #1 M.Herrmann, 20.11.2002
    M.Herrmann

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    Ein Joint Venture zum dritten Mal

    Als am 28. März 1991 das Abkommen zwischen Škoda, Automobilkonzern AG und den Vertretern des Konzerns Volkswagen unterzeichnet wurde und als das Automobilwerk in Mladá Boleslav zu Škoda, automobilová akciová spoleènost wurde, grauste es die treuen Fans der Wagen mit dem geflügelten Pfeil. Es ist angeblich das Ende unserer Škodas, eine Ära geht zu Ende, das Automobilwerk in Mladá Boleslav wird nicht mehr das, was es mal war. In unserem kurzen Gedächtnis sind heute Erinnerungen an Zeitungsartikel, an die Prognosen der Wirtschaftsexperten und an das Gejammer der Oppositionspolitiker gespeichert, dass wir ein Juwel des Familiensilbers verlieren. Heute melden sich nur wenige zu ihren damaligen Meinungen. Das Juwel was nämlich recht verwahrlost und es hatte eine gründliche Reparatur dringend nötig. Der Gewinn des Anteils von 31 % zu Gunsten des VW-Konzerns war der erste Schritt auf diesem Weg.

    Nur die Wenigsten war zu diesem Zeitpunkt dessen bewusst, dass es in der Geschichte des Automobilwerkes bereits das dritte mal ist, wo es sich mit einem stärkeren Partner vereinigt. Und nicht nur das, in der Vergangenheit erfolgte dies deutlich radikaler und mit deutlich härteren Folgen. Damals hat sich aber kaum jemand darüber gewundert und alle haben verstanden, dass es notwendig war.

    Nach dem ersten Weltkrieg hatten es die tschechischen Automobilwerke nicht leicht. Europa in Trümmern, die bolschewistische Sowjetunion, die starke Krone und die verschiedensten Zoll- und Administrationsbarrieren haben das Automobilwerk Laurin & Klement sehr beschädigt, da es bis 1914 den Großteil ihrer Produktion exportierte. Vor dem Krieg wurde zum Beispiel ein Drittel der Fahrzeuge nach Russland exportiert. Am Anfang der 20. Jahre musste sich das Werk der neuen Situation anpassen und das Fertigungsprogramm ändern. Mit Erfolg bot das Werk Motorpflüge und Flugzeugmotoren an, die Situation verbesserte sich allmählich. Dann kam aber das Feuer. Es brach in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1924 und es vernichtete einige Objekte, einschließlich des zweistöckigen Gebäudes Brons mit dreihundert Werkzeugmaschinen. Obwohl vor dem Jahresende 1924 auf den niedergebrannten Orten die Produktion wieder angelaufen ist, stand für die Herren Laurin a Klement eins fest. Wenn sie im Kampf um die Kunden bestehen wollen, wenn sich im Automobilwerk die Automobilfertigung aufrechterhalten soll, müssen sie sich mit einem starken Industriekonzern vereinigen. War doch auch Praga, der größte Konkurrent, schon ein Bestandteil der Gesellschaft Èeskomoravská – Kolben.

    Der einzige, der in Frage kam, war der größte heimische Industriegigant – die Aktiengesellschaft, ehemals Škoda - Werke. Zu dieser Zeit zählten sie zu den größten in Mitteleuropa. Zu Fusion beider Gesellschaften kam es am 27. Juni 1925. Einerseits brachte das die Rettung für das Automobilwerk, andererseits aber den Untergang des selbstständigen Werkes L&K. Beide Gründer haben in ihrem Werk den Einfluss verloren, die neuen Automobiltypen trugen das Škoda-Zeichen am Kühler. Am 29. Dezember 1925 wurde die Firma Laurin & Klement, a.s., Automobilwerke in Mladá Boleslav im Handelsregister gelöscht. Zum Besitzer wurde der Pilsner Konzern, der dem französischen Kapital gehörte. Es war ein radikaler Schnitt und er erfolgte sehr schnell, aber wir würden vergeblich nach einem Gejammer über einen Verlust in der damaligen Presse suchen. Alle äußerten sich lobend darüber, wie gut man es in Mladá Boleslav gelöst hat.

    Die zweite Hälfte der 20. Jahre bedeutete eine Entwicklung der Wirtschaft, es kamen glückliche Jahre, kürzere Rücke, Jazz und auch Automobile. Desto freudiger ist die Welt erschienen, desto härter war der Aufprall. Die Wirtschaftskrise am Anfang der 30. Jahre kam mit einer kleinen Verspätung, aber mit großer Rasanz in die Tschechoslowakei. Die heimischen Automobilwerke bemühten sich schon vorher sich gegen die billigen amerikanischen Autos zu verteidigen, man flüsterte einiges über gegenseitige Abkommen, aber erst die Unmittelbare Bedrohung führte zu konkreten Schritten. Die Herren Loevenstein (Škoda), Rùžièka (Èeskomoravská – Kolben – Danìk, das Automobilwerk Praga) und Ringhoffer (Ringhoffer, das Automobilwerk Tatra) vereinbarten die Gründung der Fitma Motor, einer Aktiengesellschaft für die Produktion und den Vertrieb der Automobile. Es war ein großzügiges Projekt, das eine gemeinsame Entwicklung, eine Uninfizierung der Teile und eine Aufteilung des Produktionssortiments voraussetzte, einfach einen effektiven Vorgang gegen die heimische und vor allem ausländische Konkurrenz. Ein großzügiges Projekt erfordert aber auch eine großzügige Einstellung. Noch bevor Motor entstanden ist, ist Tatra zurückgetreten. Die beiden anderen Partner gaben aber nicht auf und sie gründeten das Joint Venture tatsächlich. Das startete am 1. Januar 1932 seine Existenz und laut Vertrag sollte es mindestens zwanzig Jahre lang halten. Motor bleibt aber nach zwei Monaten stehen. Vom Joint Venture ist Èeskomoravská – Kolben – Danìk zurückgetreten und die Gründe dafür sind unklar, wenigstens die konkreten. Bis heute ist der Untergang des Projektes ein Geheimnis geblieben. Wir werden aber der Wahrheit nicht weit entfernt, wenn wir sagen, dass persönliche Ambitionen, Mangel an Abstand und Großzügigkeit der Grund dafür waren. Die damalige Presse machte sich schadenfroh darüber lustig, dass sich der Motor festgefressen hat, bevor er überhaupt gelaufen ist. Es hat sich aber niemand die Mühe gegeben beide Seiten zu befragen, warum das passierte und was dahinter steckt.

    In diesem Licht ist heute klar, welche Persönlichkeiten die Herren Klement und Laurin waren, wenn sie ihre Fabrik ohne zu zögern verkauft haben, um sie aufrecht zu erhalten. Ebenso ist es ganz ohne Zweifel, dass das Joint Venture mit Volkswagen dieselben Folgen hatte. Es hat die Automobilproduktion in Mladá Boleslav gerettet.

    quelle skoda-auto international
    media.skoda-auto.com
     
  2. AdMan

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  3. #2 Marccom, 20.11.2002
    Marccom

    Marccom Guest

    Schöner Beitrag...sehr interessant zu lesen.

    Das Joint-Venture 'Motor' war mir bisher sogar unbekannt.

    :respekt:

    Gruß

    Marc
     
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Kleine Geschichtsstunde: Joint-Ventures bei/mit Skoda

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