Intelligentes Sicherheitssystem von DB reagiert vor dem Unfall

Dieses Thema im Forum "sonstige Autothemen" wurde erstellt von Mic, 03.11.2003.

  1. Mic

    Mic Guest

    Stuttgart (dpa) - Die Automobilindustrie hat in den vergangenen Jahren die aktive und passive Sicherheit der Fahrzeuge massiv weiterentwickelt. Vor allem die passiven Schutzsysteme wie Gurte, Gurtstraffer und Airbags wurden perfektioniert.

    «Wir standen deshalb Ende der 90er Jahre vor der Frage, wie geht es mit den Sicherheitssystemen weiter,» sagt Rodolfo Schöneburg, Direktor für Fahrzeugsicherheit beim Stuttgarter Autobauer DaimlerChrysler.

    Da kamen die Ingenieure und Wissenschaftler von Mercedes-Benz auf die Idee, sich das Unfallgeschehen einmal genauer anzuschauen: Bislang wurden Sicherheitseinrichtungen für die Autoinsassen erst ab dem Aufprall aktiv - «in einer Zehntel-Sekunde muss dann alles ablaufen», erläutert Schöneburg den Vorgang. Die Phase vor einem Aufprall sei aber viel länger und wurde bisher nicht genutzt. Da setzt das System Pre-Safe an, das seit dem vergangenen Herbst bereits rund 75 000 Mal in die Mercedes-Benz-S-Klasse eingebaut worden ist. Damit ist das Team um Schöneburg für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, der von Bundespräsident Johannes Rau in Berlin vergeben wird.

    Rund 30 Jahre Unfallforschung bei Mercedes hätten gezeigt, dass 60 Prozent der Unfälle die relativ lange Zeit von einer bis drei Sekunden vorausgeht (Pre-Crash-Phase). Ein klassisches Beispiel ist etwa das Schleudern. Zu Gute kommt den Sicherheitsforschern von Mercedes, dass deren Fahrzeuge inzwischen alle mit dem Antiblockier- System ABS, dem Anti-Schleuder-System ESP oder dem Bremsassistenten BAS ausgerüstet sind. «Bei Pre-Safe vernetzen wir diese elektronisch arbeitenden Systeme der aktiven Sicherheit mit denen der passiven Sicherheit».

    Konkret sieht das so aus: Wenn die Sensoren ein Abkommen von der Fahrbahn oder eine Vollbremsung melden, werden die Gurte straffer gezogen, so dass der Mensch fixiert wird. Die Sitze werden beispielsweise aus einer Liegeposition aufgerichtet, das Polster angehoben. Gleichzeitig schließt sich das Schiebeverdeck, um im Falle eines Überschlages das Eindringen von Gegenständen zu verhindern.

    Insgesamt arbeiteten die Entwickler sechs Jahre an dem jetzigen System, das weiter verbessert werden soll. «Wir werden zum Beispiel die Auslöseschwelle von Airbags vorausschauend senken. Außerdem werden dann die Seitenscheiben automatisch hochfahren», beschreibt der Automanager die weiteren Möglichkeiten von Pre-Safe. Noch Zukunftsmusik, aber mit realistischer Perspektive, ist die Umfelderkennung, das nächste heiße Thema beim Schutz der Verkehrsteilnehmer. Mit Radar und Infrarot wird dann das Fahrzeug schnell auf plötzlich Ereignisse reagieren können, außerdem werden dann auch die Fußgänger in die Sicherheitssysteme mit einbezogen.

    Noch ist Pre-Safe mit den S-Klasse-Modellen von Mercedes-Benz auf die automobile Oberklasse beschränkt. Das soll aber nicht so bleiben. «Pre-Safe wird es irgendwann auch in kleineren Mercedes-Modellen geben», sagt Schöneburg.

    Quelle: dpa
     
  2. AdMan

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  3. Ivan

    Ivan Guest

    Die denken sich dabei sicher was - aber ich fuer meinen Teil kann sagen, dass es mir nicht in einer Notsituation besonders viel Unterstuetzung an Konzentration geben wuerde, wenn mich der Gurt auf einmal wuergen beginnt und die Beifahrerin in aufrichtige Position schiesst, sowie wenn meine Fenster und Dachhimmel Eigenleben bekommen...
    Da koennte mir durchauspassieren, dass ich vor Schreck irgendwo einknalle, obwohl es normalweisse nicht noetig waere. :toedlich:
     
  4. Tobi

    Tobi

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    *Ivanzustimm*
    Und das mit den Airbags finde ich auch bedenklich.
    Sicher ist es auch nicht besonders hilfreich, wenn du einen Fahrfehler gemacht hast und du bekommt als Strafe gleich vom Airbag eins in die Fr... :veilchen:

    Vor einigen Jahren sind wir mit der Familie mal im Winter unterwegs gewesen, als ein Auto auf der glatten Staße von hinten auf der linken Spur um den eigenen Mittelpunkt schleudernd angeschossen kam, sich an uns vorbeischraubte :wow: , nach rechts rübereierte und schließlich quer auf dem Standstreifen neben einem Parkplatz unversehrt zum stehen kam. Der Fahrer war ein echter Glückspilz! :geburtstag:
    Wenn da jetzt irgendein dummer Computer die Airbags ausgelöst hätte, wäre es vielleicht anders ausgegangen...
     
  5. #4 Scanner, 03.11.2003
    Scanner

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    Naja,

    bedenklich wär das schon, wenn sich Fenster und Schiebedach schnell verschließen,
    wenn da noch jemand Arm oder Kopf oder sonst was draussen hat.

    Wegen des Gurtwürgens oder dem voreiligen Airbag:
    Ich glaube nicht, dass das System so lasch eingestellt ist, dass es zu vorzeitigen Fehlauslösungen kommt.
    Umsonst hätte es DC nicht gewagt, in die S-Klasse zu verbauen.

    Viel wichtiger scheint mir der ganz kurze Moment vor dem aufprall zu sein.
    In dem Beispiel von Tobi wär das Hindernis (in dem Fall das Auto) wahrscheinlich noch zu weit weg gewesen.

    Aber der Fortschritt wird immer erst belächelt oder beschimpft, bis ihn dann die anderen Autohersteller auch übernehmen (Beispiele gibts genug)
     
  6. Lucky

    Lucky

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    Auch ich finde diese Feature nicht schlecht.

    Klar ist, das es in weigen Situationen (wie hier geschildert) vielleicht
    zu einem anderen Ergebnis geführt hätte, aber ich denke in der
    Mehrzahl der Fälle hilft diese System.

    Genauso ist es doch mit dem Bremsassistenten. Es ist zwar eine Überraschung,
    wenn beim Bremsen plötzlich das Pedal unter dem Fuss sich nach unten
    weg zieht, aber im Endeffekt hilft es doch dem Fahrer.

    Michael :headbang:
     
  7. Benni

    Benni

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    Das ist völliger schwachsinn das sich die airbags vorzeitig auslösen, die lösen so wie immer aus, nur adaptiv je dach deformation der karosse.

    Es geht hier das bei dem schleudern (im obigen beispiel) Der fahrer in eine sichere position gebracht wird, und das auto verschlossen wird um zu verhindern das umherfliegende teile einem an die birne ballern. Ich würde es nich so bevorzugen wenn mir zufällig n stein oder so auf den Kopf knallt nur weil das schiebedach noch offen ist.

    Ich denke aber das es bei soetwas nen kostenlosen fahrkurs geben sollte damit man sich auf das system einstellen kann, genuso wie man beim ABS üben sollte um nicht n lachkrampf zu bekommen weils ja am fuss etwas kitzelt.

    Bot sich bei mir heute wieder an als ich das ABS getestet hab um den Grünen mänchen mit der Laserpistole kein zu gutes ziel zu geben. :zunge:

    Benni
     
  8. Mic

    Mic Guest

    Als Mitte der 70er Jahre das ABS auf den Markt kam (damals auch nur in der Oberklasse), gab es ähnliche Reaktionen auf das neuartige System wie nun hier auf Pre-Safe das wiederrum ersteinmal nur in der Oberklasse verfügbar ist. In den 70ern hatten die "Normalos" angst das sie als Nachfahrer auf ein ABS gebremstes Fahrzeug auffahren könnten, weil die altbewährte Stotterbremse ja nicht die gleiche wirking wie ABS hat. Mittlerweile haben 90% aller in der BRD zugelassenen Fahrzeuge genau dieses damals so kritisch beäugte System und man mag es aus dem Alltag nicht mehr wegedenken, weil es einfach die Sicherheit erhöht. Ich denke, das das Pre-Safe-System in 25 Jahren ebenfalls zum Standart gehört wie heute das ABS.

    Hier mal eine Info von Daimler Chrysler zum Pre-Safe-System, ich denke da werden einige Dinge doch klarer:

    Ein Fahrzeug mit Schutzreflexen - PRE-SAFE schützt schon vor dem Unfall

    Das intelligente Fahrzeug fühlt voraus
    Komplexe Vernetzung von aktiver und passiver Sicherheit
    Auf dem Weg zum individuellen Insassenschutz
    Referat von Dr. Rodolfo Schöneburg, Leiter der Pkw-Entwicklung Sicherheit/Fahrzeugfunktionen, DaimlerChrysler AG, auf dem DaimlerChrysler Innovation Symposium am 11./12. Juni 2002 in Sindelfingen bei Stuttgart.

    Die Verantwortung für die Insassen im Fahrzeug spielt auf dem Weg zur Vision des "Unfallfreien Fahrens" bei DaimlerChrysler eine wesentliche Rolle. Einen - heute noch unvermeidlichen - Unfall sollen sie möglichst unbeschadet überstehen. Neben der Forschung und Entwicklung an Strategien und Systemen zur direkten Unfallvermeidung arbeitet DaimlerChrysler ebenfalls intensiv daran, die Sicherheit im Auto weiter zu erhöhen. So eröffnet PRE-SAFE eine neue Dimension des Insassenschutzes. Schutzsysteme werden im Vorfeld eines Unfalls vorsorglich aktiviert. Das Fahrzeug lernt vorauszufühlen.

    Ein Unfall entsteht schon vor dem Aufprall

    Den entscheidenden Anstoß zur Entwicklung von PRE-SAFE lieferte wie bei so vielen Mercedes-Benz Sicherheitsinnovationen das reale Unfallgeschehen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich ein Unfall zeitlich gesehen in vielen Fällen schon vor dem eigentlichen Aufprall abzeichnet. Konkrete Zahlen aus der DaimlerChrysler-Unfallforschung in Sindelfingen belegen, dass bei rund zwei Drittel aller Pkw-Kollisionen vor dem Aufprall sogar mehrere Sekunden vergehen können, in denen klar ist, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Unfall kommt.

    Das heißt aber auch: Es wird wertvolle Zeit verschenkt, wenn die Schutzsysteme erst beim Aufprall aktiviert werden. Diese Zeit, vom ersten Erkennen einer unfallträchtigen Fahrsituation bis zum möglichen Crash, nutzt PRE-SAFE, um die Insassen präventiv zu schützen. PRE-SAFE stellt damit eine Vernetzung von aktiver und passiver Sicherheit dar und ist ein konsequenter Beitrag zur Mercedes-Benz Sicherheitsphilosophie von REAL LIFE SAFETY.

    Schutz durch vorbeugende Reaktion

    Die Grundidee von PRE-SAFE stammt aus der Natur. Jedes Lebewesen reagiert reflexartig auf plötzlich auftretende Gefahrensituationen. So sorgt beispielsweise der Lidschlussreflex dafür, dass das empfindliche Auge von Mensch und Tier vorsorglich geschützt wird. Nach der Gefahrensituation wird der Ausgangszustand wieder hergestellt. Bisher war vorsorglicher Schutz in dieser Weise im Fahrzeug nicht möglich. Denn den konventionellen passiven Schutzsystemen fehlt dazu - neben der Fähigkeit vorauszuschauen - eine grundlegende Eigenschaft: Sie sind irreversibel, also nur einmal benutzbar. Für einen vorbeugenden Schutz im Auto wäre es aber notwendig, dass sich die Sicherheitssysteme wieder in ihre Ausgangslage zurückführen lassen, falls ein Unfall doch noch vermieden werden kann.

    Potenzial präventiver Schutzmechanismen

    In fast dreiviertel aller schweren Seitenkollisionen geht dem eigentlichen Aufprall ein Schleudern des Fahrzeugs voraus. Dieser unkontrollierte Fahrzustand dauert oft mehrere Sekunden. Schutzsysteme wie Airbags oder Gurtstraffer, die nur einmal wirken, können in dieser Phase noch nicht aktiviert werden, da ein Aufprall möglicherweise noch vermeidbar ist. Wenn der eigentliche Aufprall sensiert ist, werden die pyrotechnischen Rückhaltesysteme aktiviert. Angesichts der geringen seitlichen Knautschzone müssen diese Vorgänge präzise und schnell ablaufen.

    Es stellt sich aber die Frage, welche Möglichkeiten die bislang ungenutzte Zeit vor dem Aufprall bieten könnte. Nach Einschätzung der Mercedes-Sicherheitsexperten ließe sich dadurch eine neue Dimension im Insassenschutz erreichen.

    Zeit optimal nutzen

    In einem Zustand höchster Gefahr könnten zum Beispiel die konventionellen Rückhaltesysteme sensibilisiert werden. Der Airbag kann einen größeren Schutz bieten, wenn er früher aktiviert wird. Bei Schleudervorgängen oder Notbremsungen ist es sinnvoll, die Insassen bei einem eventuell folgenden Aufprall in einer günstigen Position zu halten oder sie während der potenziellen Precrash-Phase dahin zu bringen. Auch das Fahrzeug könnte sich in einen Zustand verstellen, der für den Aufprall vorteilhaft ist, im Fahrbetrieb allerdings nicht komfortabel genug wäre.

    Mehr Sicherheit durch Vernetzung

    Durch die Beeinflussung von Sicherheitseinrichtungen, die nur für den Unfall vorgesehen sind, stellt sich die Verknüpfung zur aktiven Sicherheit dar. Bereits heute gibt es viele Sensoren im Fahrzeug, die kritische Fahrzustände erkennen. So sind der Bremsassistent (BAS) und das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) in allen Mercedes-Benz Pkw serienmäßig vorhanden. Beide Systeme dienen der aktiven Sicherheit und zielen darauf ab, dem Fahrer zu assistieren und - gefährliche Situationen zu vermeiden oder zu entschärfen. Der Bremsassistent erkennt eine Notsituation an der Geschwindigkeit, mit der das Bremspedal betätigt wird, und baut bei Bedarf sofort die volle Bremskraft auf. Das Stabilitäts-Programm ESP erkennt früher und schneller als ein routinierter Fahrer, wenn ein instabiler Fahrzustand vorhanden ist, und greift durch Bremsen oder Verringerung der Motorleistung ein.

    Synergie aktive-passive Sicherheit

    Bei PRE-SAFE nutzen die passiven Sicherheitssysteme die Fahrzeugdaten der aktiven Sicherheitssysteme. Entscheidende Faktoren dafür sind ein schneller Datenaustausch und eine hohe Geschwindigkeit bei der Datenverarbeitung. Großen Aufwand erforderte die Entwicklung geeigneter Algorithmen, die den speziellen Anforderungen einer gezielten, auch für den Kunden nachvollziehbaren Auslösung gerecht wurden.

    Ein weiterer Vernetzungsbaustein ist die Umfelderkennung. Sensoren rund um das Auto erfassen Abstände zu Hindernissen und ermitteln deren Relativgeschwindigkeit zum Fahrzeug. Diese Signale lassen sich künftig nicht nur für die Einparkhilfe, sondern auch für die Aktivierung von PRE-SAFE-Funktionen nutzen. Sie entwickeln sich in Richtung PRE-CRASH. Präventive Schutzsysteme können nicht nur dann aktiviert werden, wenn ein kritischer Fahrzustand erkannt wird, sondern zusätzlich auch durch die Bewertung des Umfelds.

    Damit die Vernetzung von aktiver und passiver Sicherheit gelingen konnte, mussten die Ingenieure ein neues und enges "Entwicklungsnetz" bei DaimlerChrysler knüpfen. So steuerten nicht nur die Spezialisten aus dem Bereich Fahrdynamik wertvolle Ergebnisse bei. Auch die Mitarbeiter aus dem Bereich Aktive Sicherheit und - bei PRE-SAFE besonders wichtig - aus der Sensorik haben maßgeblich zum Entwicklungserfolg von PRE-SAFE beigetragen. Denn auch der Fahrzustand wird über spezielle Sensoren beurteilt. Sie messen etwa Geschwindigkeit, Bremsmoment, Bremspedalgeschwindigkeit, Radschlupf, Beschleunigung um die Hochachse, Ein-/Ausfederweg, Lenkgeschwindigkeit und Reifendruck. Im Rahmen des "Common Research and Technology Council" nutzten Experten von Mercedes-Benz Pkw, Mercedes-Benz Lkw, Chrysler, Dodge, Jeep, Evobus, Freightliner und der DaimlerChrysler-Forschung die Synergien innerhalb des Konzerns für die Realisierung des vorbeugenden Schutzes.

    Der erste Schritt zum präventiven Insassenschutz

    Die Umsetzung von PRE-SAFE in die Serie steht unmittelbar bevor. Im ersten Schritt werden drei Komponenten im Fahrzeug umgesetzt: der ergänzende reversible Gurtstraffer auf Fahrer- und Beifahrerseite, die automatische Sitzverstellung auf der Beifahrerseite und das Schließen des Schiebedachs. Weitere Komponenten sind derzeit in Entwicklung.

    Neben dem nach wie vor notwendigen pyrotechnischen Straffer, der beim Aufprall selbst aktiviert wird und mit hoher Kraft die Gurtlose reduziert, arbeitet der zusätzliche PRE-SAFE-Straffer voll reversibel. Bereits vor dem Aufprall wird er wirksam. Er sorgt dafür, dass die Fahrzeuginsassen im Vorfeld eines Unfalls infolge einer Notbremsung oder Schleuderphase eine Position behalten, in der sie bestmöglich geschützt werden können. So wird verhindert, dass sich die Insassen durch eine Gurtlose bei einer Notbremsung zu weit nach vorn bewegen oder dass ihr Oberkörper beim Schleudern des Autos zu stark seitwärts pendelt. Versuche mit Mercedes-Benz Personenwagen zeigen, dass der PRE-SAFE-Gurtstraffer diese ungewollte Verlagerung der Passagiere deutlich verringern kann.

    Zum optimalen Insassenschutz bei einem Unfall gehört allerdings mehr als die reversible Gurtstraffung. Eine weitere Komponente stellt die automatische Sitzkonditionierung dar. Die Spezialisten der Unfallforschung haben festgestellt, dass sich eine sehr stark geneigte Lehne oder ein flach eingestelltes Sitzkissen beim Unfall ungünstig auf die Insassenrückhaltung auswirken können. Das ist häufig auf der Beifahrerseite der Fall. Erkennen die PRE-SAFE-Sensoren eine drohende Kollision, wird auf der Beifahrerseite automatisch die Sitzkissenneigung vergrößert und die Lehne so eingestellt, dass Airbag und Gurt optimal arbeiten können. Damit lässt sich die Gefahr des so genannten Submarinings - wenn man mit dem Becken unter dem Gurt hindurchrutscht - weiter verringern. Die Sitzkonditionierung findet allerdings nur statt, wenn die Sitzanlage in einer ungünstigen Position eingestellt ist.

    Als dritte Schutzmaßnahme wird bei der PRE-SAFE-Einführung das automatische Schließen des Schiebedachs realisiert. Die Elektronik erkennt ein geöffnetes Schiebedach und schließt es bei einer Roll-over-Gefahr. Das Fahrzeugdach kann seine volle Schutzwirkung entfalten und die Verletzungsgefahr durch Eindringen von äußeren Gegenständen zum Beispiel beim Überschlag mindern.

    Erlebbare Sicherheit

    PRE-SAFE wurde inzwischen in Mercedes-Benz Fahrzeugen umfassend erprobt. Dabei galt ein wichtiger Grundsatz: Die neuen Systeme dürfen die Entscheidungsfreiheit des Fahrers nicht einschränken und die Fahrbarkeit des Autos nicht beeinträchtigen. Akzeptanzuntersuchungen im Berliner Fahrsimulator und auf der Straße haben außerdem gezeigt, dass die PRE-SAFE-Systeme auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Passagiere steigern. Grund ist die gute Fixierung im Fahrzeug. Eine weitere Erkenntnis war, dass die Probanden in der jeweiligen Gefahrensituation schneller reagierten.


    Schutzsysteme denken weiter

    Weitere Ideen zur Ergänzung des PRE-SAFE-Konzepts sind bei DaimlerChrysler bereits vorhanden. So befassen sich die Ingenieure zum Beispiel mit adaptiven Crashboxen, die die Aufprallenergie in Verformungsenergie umsetzen. Je nach zu erwartender Unfallschwere kann das Energieabsorptionsvermögen verändert werden. Bei einem leichten Unfall arbeiten die Boxen wie Spiralfedern und schlucken kleinere Stöße. Dabei verformen sie sich reversibel. Bei einem mittleren oder starken Aufprall dagegen arretieren motorisch bewegte Bolzen die Crashbox, sodass sie mit dem Längsträger des Wagens starr verbunden ist. Nun absorbiert sie die höchstmögliche Aufprallenergie, verformt sich dabei allerdings irreversibel. Die rechtzeitige Reaktion der Crashbox ist nur durch eine Elektronik möglich, die vor dem Aufprall reagiert und die mögliche Stärke des Aufpralls erkennt.

    Wenn Fahrzeuge unterschiedlicher Form miteinander kollidieren, kann PRE-SAFE ebenfalls eingreifen. Um die Gefahr zu reduzieren, dass ein Fahrzeug mit hohem Vorbau eines mit niedrigem überfährt, kann das System vorsorglich das Fahrzeugniveau anpassen.

    Auch im Bereich Insassenrückhaltung werden weiterführende PRE-SAFE-Systeme untersucht. Zusätzlich zu Airbag und Sicherheitsgurt können die Passagiere durch Polster geschützt werden, die sich auf die Insassen zubewegen und sie abstützen können.

    Welche weiteren Aktuatoren künftig aktiviert werden können, hängt hauptsächlich von der Qualität der Unfallprognose ab. Ziel ist, eine gefährliche Situation nicht nur zu erkennen, sondern auch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des Unfalls sowie über die Unfallschwere und Unfallart zu bekommen. Im nächsten Schritt der PRE-SAFE-Entwicklung bei DaimlerChrysler wird deshalb das Fahrzeugumfeld verstärkt in die Bewertung des Unfallrisikos einbezogen: Sensoren erfassen über Infrarot- oder Radartechnik die Umgebung. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die näheren Umstände der Situation wie Relativgeschwindigkeit, Aufprallrichtung und Objektart ziehen.

    Individuelle Sicherheit für jeden Insassen

    Wenn die Schutzsysteme künftig noch mehr Informationen rund um das Fahrzeug und über die Insassen haben, wäre ein weiterer Schritt möglich. Das Stichwort heißt Individual Safety - ein Themenfeld parallel zu PRE-SAFE. Es geht darum, jeden Auto-Passagier bei einem Crash entsprechend seinem individuellen Anforderungsprofil optimal zu schützen. Wie bei Skifahrern, deren Sicherheitsbindung an die individuelle Belastbarkeit angepasst wird, sollen auch Sicherheitssysteme im Fahrzeug auf die Bedürfnisse der Personen adaptiert werden.

    Die Grundlagen dazu hat DaimlerChrysler bereits geschaffen. Die passiven Schutzsysteme sind so weit entwickelt, dass verschiedene Parameter individuell einstellbar sind, und die Fahrzeugtechnik schafft die Möglichkeit der Insassenidentifizierung. Wenn die Benutzer dem Fahrzeug individuelle Daten übermitteln, könnte es sicherheitsrelevante Daten einer Person speichern: Körpergewicht, Alter, Geschlecht, Größe, Körperproportionen, Sitzposition usw. Ein individuell angepasstes Sicherheitssystem könnte dann zum Beispiel dafür sorgen, dass sowohl bei einem jungen Insassen mit hoher physischer Belastbarkeit, im Gegensatz zu einem älteren Menschen, die Rückhaltewirkung optimal eingestellt wird. Mögliche Parameter sind dabei Airbagvolumen, Straffkraft der Gurte, Höhe der Gurtkraftbegrenzung, Laufkraft der Lenkanlage bis hin zur individuellen Sitzeinstellung und Gurtgeometrie.

    Dies ist keine Zukunftsmusik. Bei der Präsentation der neuen E-Klasse-Limousine im März 2002 stellte DaimlerChrysler bereits das Occupant Classification System vor. Eine Sensormatte in der Sitzfläche ordnet die Person auf dem Beifahrersitz in eine Gewichtsklasse ein und meldet dies dem zentralen Airbagsteuergerät. Damit die Elektronik die Auslöseparameter für das Rückhaltesystem bestimmen kann, benötigt sie zusätzlich die Bewertung der Unfallschwere. Dazu werden die Beschleunigungsverläufe an verschiedenen Stellen im Fahrzeug gemessen. Schaltbare Zustände der Schutzsysteme sind dabei: Airbag nicht auslösen (Kindersitzerkennung), Airbag Stufe 1 oder 2, Gurtkraftbegrenzung Stufe 1 oder 2 sowie die Steuerung der Auslösezeiten.

    Die Vision vom "Unfallfreien Fahren"

    Für die ferne Zukunft hat DaimlerChrysler die Sicherheitsziele noch höher gesteckt. Das Auto wird zunehmend intelligenter, ordnet sich selbst und sein Verhalten in die Umgebung ein und unterstützt so den Fahrer. Eines Tages wird die Elektronik - auch mit Hilfe digitaler Karten - nicht nur die Fahrspur oder andere Fahrzeuge sicher erkennen, sondern auch Ampeln, Verkehrszeichen und Fußgänger. Darüber hinaus werden Autos Verkehrsszenen interpretieren und Verkehrsregeln beherrschen. Denn DaimlerChrysler hat die Vision vom "Unfallfreien Fahren". Auf dem Weg zu diesem Ziel erhöht die intelligente Vernetzung von aktiven und passiven Sicherheitskomponenten in PRE-SAFE die Sicherheit für Fahrer und Passagiere.
     
  9. AdMan

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  10. Reiner

    Reiner

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    Obwohl ich ja selbst Techniker bin, sehe ich die Entwicklung etwas kritischer als Mic.
    Meiner Meinung nach wird Vieles entwickelt, das entweder nichts bringt oder kaum für die Masse bezahlbar wird.
    Dazu kommt, daß sich viele durch die Features in Sicherheit wiegen, was die theoretischen Vorteile eher überkompensiert.
    Ich bin nicht fortschrittsfeindlich, denke aber, man muß von Fall zu Fall abwägen.

    Wenn ich mir das für die Zunkunft vorstelle, dann gibt es vielleicht demnächst Autos, die die Lenkung selbst in die Hand nehmen, oder sich weigern anzuspringen, wenn der Fahrer nicht genehm ist. :hihi:
    Obwohl....das wäre ja wieder ganz angenehm, denn erstens spart es Sprit und Abgase, und im Falle von Alkohol wäre es auch nicht schlecht. :traurig:

    Trotzdem bleibe ich in dieser Beziehung Egoist:
    Fahren will ich selbst! :fahrrad:

    Gruß Reiner
     
  11. Mic

    Mic Guest

    ~offtopic on~
    @Reiner
    Ein System das erkennt ob der Fahrer Alkohlo getrunken hat und dann das Anspringen des Motors bzw. das Anfahren verweigert gibt es schon längere Zeit, vermutlich wird es nur nicht eingebaut, weil kaum ein Kunde bereit ist dafür zusätzlich Geld zu bezahlen.
    Naja welcher Fahrer der mit Alkohol am Steuer unterwegs ist, will schon das ihm das Fahrzeug eine Trunkenheitsfahrt verweigert.
    Schade das so ein System nicht schon lange Pflicht ist .....
    ~offtopic off~
     
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