History: Fernreisen mit Škoda Fahrzeugen

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Eine fast vergessene Reise...


Der tschechische Automobilsport hatte in den 30. Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen mehr oder weniger lokalen Charakter.


Die Wirtschaftskrise und die Verhältnisse am heimischen Markt waren den großen und leistungsstarken Automobilen, die sich mit der ausländischen Konkurrenz messen könnten, nicht günstig geneigt, aber trotzdem erbrachten viele heimische Fahrer Leistungen erbracht, vor denen wir noch heute den Hut abnehmen müssen. Und nicht nur die Fahrer, sondern auch ihre Maschinen. Es war damals ein gewisser Trend Reisen in unbekannte oder exotische Länder zu unternehmen, je ferner, desto besser.



Der erste, der anfing die unendlichen Weiten zu erobern, war Bohumil Turek. Im Jahre 1929 unternahm er mit einem Aero eine Sternfahrt anlässlich der XXI. Internationalen Automobilausstellung in Prag, wo der Einzylinderwagen Aero 500 seine Premiere hatte. Um zu beweisen, wie zuverlässig dieser Wagen ist, legte Turek mit seinem Beifahrer Nahodil in 8 Tagen 4913 km kreuz und quer durch Europa zurück. Wer einmal in einem Halbliter – Aero gesessen hat, muss bestätigen, dass schon die Fahrt aus Mladá Boleslav nach Kosmonosy ein unvergessliches Erlebnis ist, dazu noch auf den Straßen, oder besser gesagt staubigen Wegen jener Zeit. Aber ein zweitausend Kilometer langer Ausflug war ein Verkaufsargument wie kaum ein anderes. Kein Wunder, dass die langen Reisen bald zu einem Hit wurden. Unter allen tschechischen Automobilwerken, welche die mutigen Fahrer unterstützt hatten, spielte Škoda die erste Geige. Den Starts aus der Lützow - Straße (heute Opletalova) vom Gebäude des Automobilklubs wohnten der Werksdirektor Karel Hrdlika und oft auch der Generaldirektor der Škoda-Werke Karel Loevenstein bei. Ganz geschwiegen von den ruhmreichen Heimkehren, zum Beispiel der Studenten in den Populars aus Indien, des Ehepaars Elstner von der Reise nach Amerika, ebenfalls mit einem Popular, oder von Pohl mit Hausman aus Monte Carlo mit dem Rapid. Es waren bekannte Reisen, über die viel geschrieben wurde und die auch heute noch bekannt sind. Mit Recht – zum Beispiel in 97 Tagen die Weltkugel zu umrunden und dabei 27 600 km zurückzulegen, wie es Procházka mit Kubias im Rapid im Jahre 1936 gelang, das verdient schon seinen Platz in den Annalen.



Die Fernreisen mit den Automobilen der Marke Škoda hat ein unauffälliger Mensch eröffnet, über dessen Reise es fast keine Berichte gab und die praktisch vergessen wurde. Dabei hat gerade er beweisen, dass die Fahrzeuge mit dem beflügelten Pfeil auf dem Kühlergrill die Erfüllung auch der sehr mutigen Pläne möglich machen. Und da in diesem Jahr schon 70 Jahre seit seiner Reise vergangen sind, sollten wir diese wenigstens kurz gedenken.



Ing. JiYí Hanuš war siebenundzwanzig Jahre alt, als er sich im Jahre 1933 entschied mit einem Automobil die Sahara zu überqueren und bis nach Dakar weiterzufahren. Die Strecke war aus Algier über El Golea, Timimounu, Adrar, Gao, Niamey, Ouagadoougou, Bamako, Kayes bis in die Hautpstadt von Senegal geplant. Diejenigen, die sich um die Rallye Paris – Dakar interessieren, wissen worum es sich dabei handelt. Zum Beispiel Karel Loprais, der hier bei dieser Rallye gefahren ist, läuft vielleicht beim Erklingen dieser Namen heute noch kalter Schweiß über den Rücken. Über die praktisch identische Strecke führten nämlich am Ende der 80. Jahre die schwierigsten Etappen dieses Wüstenabenteuers. Und stellen sie sich jetzt vor, sie fahren mit einem schwachen und schweren Wagen im Jahre 1933 ins tiefe Afrika. Hanuš hat sich für den Škoda 633 entschieden, also einen kleinen Reihensechszylinder mit dem Hubraum von nur 1792 cm³ und mit einer Leistung von 24,3 kW (33 PS), der mit einem Dreigang-Getriebe ausgestattet war. Dieser Typ hatte noch einen Leiterrahmen, der aus stählernen U-Profilen genietet war, und Starrachsen mit Blattfedern vorne und hinten. Er wog 1150 kg, der Durchschnittsverbrauch bewegte sich zwischen 10 bis 13 l und die Höchstgeschwindigkeit betrug 100 km/h. Ein ideales Automobil für eine gute, ebene Straße. Aber nach Afrika? Hanuš war zwar ein erfahrener Fahrer, er hatte einige Fahrten durch Europa hinter sich, aber Afrika ist (und war damals erst recht) ein etwas anderer „cup of tea“. Einen Škoda wählte er wohl deswegen, weil sein Vater, Ing. František Hanuš, in den Jahren 1919 – 1923 Generaldirektor der Škoda-Werke war, also zu jener Zeit, zu der Präsident Josef Šimonek an der Spitze der Gesellschaft stand. Höchstwahrscheinlich war also das Automobilwerk dem mutigen Mann günstig geneigt. Das Werk selbst hatte aber über die Möglichkeiten des Sechshundertdreiunddreißigers seine eigenen Vorstellungen, die Expedition hatte also keine offizielle Werksunterstützung, man hat über sie sogar vor dem Start gar nicht geschrieben. Das Wort „Expedition“ ist kein richtiger Begriff für die Reise eines Mannes. Ja, so war es - Hanuš Junior fuhr allein auf die Reise quer durch die Sahara los. War das Mut? Hasard? Mangel an Erfahrung? Abenteuerlust? Von jedem ein Bisschen. Er musste ja in Afrika auch Einiges durchmachen. Zum Beispiel eine 1100 Kilometer lange Passage, auf der kein einziger Tropfen Wasser, kein einziger Tropfen Benzin zu haben war. Als er endlich ans Ziel dieses Streckenabschnittes kam, bezahlte er für einen Liter Benzin umgerechnet 13,30 K
und für einen Liter Wasser 6,75 K. Zum Vergleich – zu Hause kostete das Benzin damals rund 2,50 K.



Er fuhr als Radlík bei Jesenice unweit von Prag los, am 17. Februar 1933 und schon in einer Woche wurde sein Sechshundertdreiunddreißiger im Hafen von Algier vom Schiff abgeladen. Von durch fuhr Hanuš quer über die Sahara als erster Bürger der Tschechoslowakei, und zwar mit einem Serienwagen ohne jede Änderung. Dank seiner Sorgfalt wissen wir heute, wie es ihm ging. Genau nach einem Monat, am 17. März, kam er in Dakar an, wo er sich einschiffte. In Marseille setzte er sich wieder ans Steuer und fuhr nach Hause. Insgesamt legte er 9716 Kilometer zurück, 6546 davon in Afrika. Der Durchschnittsverbrauch betrug 13,75 l/100 Kilometer, wobei der Wagen im schwierigsten Teil von Sahara von Reagan nach Gao im Schnitt 18 l/100 Kilometer verbrauchte. Und der Wagen? Nichts. Keine Störung, keine Probleme, keine Sorgen.



Nach der Rückkehr verfasste Hanuš eine schmale Broschüre, in der er seine Reise kurz beschrieben hatte. Er bestätigt darin, dass es seine private Reise war, bei der ihn neben dem Automobilwerk auch Varta, Vacuum Oil Company, SKF, der Reifenhersteller Kudrná
Náchod, Scintilla Vertex und auch Julius Meinl unterstützten. Es scheinen sich bis heute keine Fotografien erhalten zu haben, also bleibt uns nicht Anderes übrig als mit einer Abbildung des Škoda 633 vorlieb zu nehmen, eines Wagens, mit dem man nach der heutigen Erfahrung bereit wäre aus Boleslav nach Jiín zu fahren, vielleicht sogar nach Prag. Aber nach Dakar? Herrn Ing. JiYí Hanuš kam das vor siebzig Jahren nicht so wild vor…

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