Frage an die Versicherungsexperten hier

Dieses Thema im Forum "sonstige Autothemen" wurde erstellt von turbo-bastl, 14.05.2004.

  1. #1 turbo-bastl, 14.05.2004
    turbo-bastl

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    Ich sitz ja jetzt in Deutschland (Mainz) fest und hab viel Zeit - z.B. zum Zeitunglesen :buch:

    Heute stand drin, dass auf einer Landstraße folgendes passiert ist:

    Eine Herde von 6 oder 7 (ausgerissenen) Pferden hat die Landstraße überquert.
    Eine Autofahrerin aus Berlin :teletubby: ist gegen ein Tier gefahren.
    Ein nachfolgender Ford-Fahrer hat den Unfall zu spät bemerkt und ist in den Wagen der Berlinerin gefahren :veilchen:.
    Ein dritter Fahrer :umfall: ist ebenfalls in die Herde gefahren, hat ein Pferd erwischt, das schwerverletzt im Seitengraben gestorben ist :toedlich: .
    Der Zaun der Koppel, aus der die Pferde stammen, war scheinbar umgeworfen.

    ?( Jetzt interessiert mich mal :deal::

    1. Wer zahlt den Schaden für die Fahrer, die in die Pferde gefahren sind?
    Deren Besitzer (bzw. dessen Haftpflicht) oder die Teilkasko?

    2. Wer zahlt den Schaden des Ford-Fahrers, der in den Wagen reingefahren ist, der vorher gegen ein Pferd fuhr?

    3. Wie würde sich die Haftung ändern, wenn der, der den Zaun der Koppel umgeworfen hat, gefasst würde?

    thx 4 answering :]
     
  2. AdMan

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  3. #2 Marccom, 14.05.2004
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    Wage mal eine Aussage:

    Also grundsätzlich muss die Tierhalter-Haftpflicht des Pferdebesitzers haften (funktioniert im Prinzip genau wie Hundehalterhaftpflicht); da seine Pferde erst einmal den Unfall verursacht haben.

    Sollte man dem ein oder anderen beteiligten Autofahrer Fehlverhalten nachweisen können (z.B. überhöhte Geschwindigkeit, unaufmerksames Fahren [Telefon,...],...) würde ein entsprechender Teil der Schäden wohl auf dessen KFZ-Haftpflicht übertragen.

    Würde man einen Schuldigen finden, der die Koppel geöffnet hat, müsste geklärt werden, ob es vorsätzlich oder versehentlich passiert ist.
    Kann kein Vorsatz nachgewiesen werden und lässt der Tathergang bzw. die Spuren ein Versehen zu, zahlt die Privat-Haftpflicht des Schädigers. Kann man jedoch Vorsatz beweisen oder deuten schwerwiegende Indizien daraufhin, wird die Privat-Haftpflicht die Zahlung verweigern und der Schädiger für die Kosten mit seinem Privatvermögen aufkommen müssen.
    Oder die PHV zahlt und nimmt ihn in Regreß (was aber nicht alle PHV anbieten)
    Andere Möglichkeit bei Zahlungsunfähigkeit (und/oder fehlende PHV) des Schädigers wäre, dass die Haftpflicht der Geschädigten zahlt (wenn deren PHV oder THV eine entsprechende Zusatzklausel enthält; muss aber dann schon eine gute Versicherung sein)

    Mehr fällt mir zur Zeit nicht dazu ein.


    Gruß

    Marc
     
  4. R2D2

    R2D2 Guest

    Ich bin zwar kein Jurist, aber... Auf der Landstr. muß man grundsätzlich so fahren, daß man innerhalb der Sichtweite anhalten kann (in bestimmten Situationen kann`s auch halbe Sichtweite sein). Das unter anderen auch deshalb, weil Tiere auf der Straße sein können und dürfen! Somit dürfte die Haftungsfrage halbwegs klar sein, wenn die Viecher schon auf der Straße waren; selber rein gefahren selber schuld.

    Anders wird das erst, wenn die Tiere unerwartet und nicht rechtzeitig erkennbar die Straße überqueren, dann wird die Haftungsfrage letztlich vor Gericht zu klären sein (weil natürllich keine Versicherung zahlen will...

    Der Fall von dem, der in den schon passierten Unfall noch rein kracht ist immer klar. Haftung bei dem, der rein gekracht ist.
     
  5. Mic

    Mic Guest

    @R2D2
    Bei den Pferden handelt es sich nicht um Wildtiere, sondern um Weidetiere und mit diesen muß ich auf der Fahrbahn nicht rechnen, geschweige denn haben sie dort etwas zu suchen. Aus diesem Grunde haftet der Halter für den von den Pferden verursachten Schaden, da er seine Tiere nicht ausreichend vor dem ausbrechen gesichert hat, genauso wie ein Hundehalter der sein Tier nicht anleint oder auch wenn das Tier sich losreist usw..


    BHG (VI ZR 3/64)

    BGB § 833; StVG § 7,17

    1. Angesichts der beträchtlichen Gefahren, die ein frei umherlaufendes Pferd - zumal bei Dunkelheit - für den Verkehr auf einer Bundesstraße bedeutet, sind an den Entlastungsbeweis des Halters, der das Tier in einem neben der Straße gelegenen Weidegarten zu verwahren pflegt, strenge Anforderungen zu stellen. Hierbei ist von der Pflicht des Halters auszugehen, das vom Weidegarten zur Straße führende Tor nicht nur gegen ein Öffnen durch die in der Umzäunung befindlichen Tiere, sondern nach Möglichkeit auch gegen Manipulation von Unbefugten zu sichern.

    2. Die Betriebsgefahr eines mit mäßiger Geschwindigkeit fahrenden Kfz, dem bei Dunkelheit plötzlich ein frei umherlaufendes Pferd in die Fahrbahn springt, tritt hinter der Tierhaftung völlig zurück.

    http://www.pferdehaftpflichtversicherung-sicher.de/ratgeber/ratgeber.html

    ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Pferde auf der Weide
    Immer wieder hört und liest man von Pferden und anderen Weidetieren, die aus ihrer Umzäunung ausgebrochen, auf öffentliche Verkehrsflächen gelangt und nicht selten schwere Unfälle verursacht haben.
    Weidetiere - also auch Pferde - müssen in fest umzäunten, abgeschrankten Weiden gehalten werden. Befinden sich die Tiere in einer gesicherten Weide, besteht keine besondere Beaufsichtigungspflicht. An die Sicherheit der Weiden sind jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bei der Weidesicherung ist die Art der Tiere, deren Eigenschaften und die Lage der Weide zu berücksichtigen. Auf die Üblichkeit einer bestimmten Sicherung der Weide kann sich der Tierhalter nicht berufen. Die Wirksamkeit einer bestimmten Weideabsicherung muß also in jedem Falle sichergestellt sein. Elektrozäune genügen nur, wenn sie bei der erforderlichen Überwachung die Gewähr dafür bieten, daß bei Berührung die notwendige Stromabgabe gewährleistet ist und damit einem massiv verankerten Zaun gleichkommen. Ordnungsgemäße Elektrozäune genügen in der Regel zur Weidesicherung an wenig befahrenen Straßen oder bei kilometerweiter Entfernung der Weide von der Straße. Sie können aber in der Nähe von Autobahnen und Bundesstraßen nicht als ausreichende Sicherungsmaßnahme angesehen werden. Zur Feststellung, ob ein Elektrozaun seine Funktion erfüllt, sollte regelmäßig eine Prüfung mittels geeignetem Meß-/Prüfgerät erfolgen. Die Sicherungsmaßnahmen selbst, also beispielsweise der Zustand des Zaunes, müssen ständig (täglich, wenn sich die Koppel neben einer Landstraße befindet) überprüft werden. Dabei ist besonders darauf zu achten, daß kein Gras oder anderer Bewuchs den Zaun berührt, denn so wird ein Teil der elektrischen Energie zur Erde abgeleitet und macht den Elektrozaun unter Umständen wirkungslos, weil die "Schlagstärke" abgeschwächt oder gar aufgehoben wird. Ein (Stacheldraht-)Zaun in einer Höhe von 1,20 m und einem Pfahlabstand von 3 m wird in der Regel genügen - selbstverständlich ist ein Stacheldrahtzaun für die Umzäunung einer Pferdekoppel aufgrund der Verletzungsgefahr ungeeignet; es sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Dämme und Gräben reichen nur aus, wenn sie von den Tieren nicht überwunden werden können. Bei Jungtieren ist an die Sicherung der Weideumzäunung eine besonders strenge Anforderung zu stellen; hier ist auch das Verhalten der Tiere nach Einbruch der Dunkelheit zu bedenken und zu beobachten. Hier sollte vor allem bedacht werden, daß Jungtiere relativ gelenkig sind und zwischen Zaundrahtreihen hindurch kriechen können. Das Weidetor - d.h. der Eingang zur Weide - muß sicher verschlossen sein und die Umfriedung auch ein Ausbrechen verhindern. Es muß auch gegen ein Öffnen durch Unbefugte ausreichend gesichert sein. Eine andere Frage ist es, ob bei Überwindung des Elektrozaunes durch Tiere der Tierhalter sich nach § 833 BGB entlasten kann.

    http://www.reitershop.com/verkehrsecht.htm#P05
     
  6. R2D2

    R2D2 Guest

    Und ich war der Meinung, wir sprechen von einer Landstr. ;-) Wobei auch auf der Bundesstr. Fahren auf Sicht gilt...

    Außerdem find ich dein Urteil nicht besonders passend, da ist ja schon von mäsiger Geschwindigkeit die Rede und dann auch noch von Dunkelheit die Sprache... Ich bin mal von "normalen" Tagesbedingungen ausgegangen...

    Aber lassen wir das, es macht keinen Sinn über Details zu reden, die wir nicht kennen!

    Was mir dazu aber gerade noch einfällt... um welche Haftungsfrage geht`s überhaupt; Straf oder Zivilrecht? Das sind schließlich zwei unterschieldiche paar Schuhe...
     
  7. Mic

    Mic Guest

    Um was für eine Straße es sich handelt spielt gar keine Rolle und auch das man grundsätzlich innerhalb der Sichtweite anhalten können muß.

    Fakt ist das es sich um Weidetiere handelt, diese sind persönliches Eigentum ihres Halters, womit er für durch die Tiere enstandenen Schäden haftet. und dieser hat dafür zu sorgen, das die Tiere nicht die Koppel verlassen können. Daher wird jeder Verantwortungsbewußte Tierhalter auch eine Tierhaftpflichtversicherung abschliessen, denn die Tiere sind da sie instinktiv und nicht bewußt handeln "unberechenbar". Wenn das nicht so wäre, dann würde jede Tierhaftpflichtversicherung absoluter unfug sein :D
     
  8. AdMan

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  9. #7 Marccom, 15.05.2004
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    Will mich da noch mal einmischen:

    Mic hat vollkommen Recht...Pferde sind Weidetiere. Mit Ihnen...egal ob bei Nacht, bei Tag, bei Dämmerung, bei Nebel oder beim feindlichen Atomangriff...egal ob auf Bundesstraße, Landstraße, Nebenstraße oder Autobahn...muss der Autofahrer nicht rechnen.

    Halten sich solche Tiere auf der Fahrbahn auf, überqueren sie, usw. und verursachen somit Unfälle haftet der jeweilige Besitzer der Tiere für die Schäden...es sei denn, man kann dem / den beteiligten Autofahrer(n) unangepasste Fahrweise vorwerfen.

    Erst dann, aber auch nur dann, kann es sein, das ein Teil der Schadenssumme der Tierhalter-Haftpflicht erspart bleibt und auf jeweilige KFZ-Haftpflicht-Versicherungen entsprechend aufgeteilt wird.

    Ich kenne allerdings nur Fälle, wo der Tierhalter voll haften musste. Z.B. gab es in Soest mal einen Fall, das ein Pferd ausgebüxt ist (hat sich erschrocken und dann losgerissen)...überquerte dabei eine Straße und kollidierte mit einem Gländewagen. Das Tier überlebte den Unfall schwerverletzt, wurde aber noch am Unfallort "erlöst".
    Der Halter des Pferdes musste die Beseitigung / Entsorgung des Tieres und den Schaden am Fahrzeug in Höhe von fast 10.000 DM voll tragen.

    Gruß

    Marc
     
  10. R2D2

    R2D2 Guest

    Eigentlich wird mir bei so was schlecht... aber mit Urteilen umherwerfen kann ich auch...

    OLG Hamm 3. Zivilsenat, Urteil vom 3. Oktober 1984, Az: 3 U 14/84

    Zur Haftung des Halters einer Stute seiner Pferdezucht, die zur Nachtzeit von der Weide ausgebrochen und auf einer Landstraße mit einem Pkw kollidiert war sowie zur Haftung von Fahrer - und Haftpflichtversicherer - des beteiligten Pkws gegenüber dem schwer verletzten Insassen des Fahrzeuges wegen fahrlässiger Körperverletzung


    Sonstiger Orientierungssatz
    1. Gehört ein Pferd im Rahmen der zu Erwerbszwecken betriebenen Pferdezucht zum Betriebsvermögen des Halters, so ist es ein Nutztier iS des BGB § 833 S 2. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Tier später einmal beim Halter selbst oder einem Dritten als sogenanntes Luxustier gehalten werden kann.
    2. Eine Haftung des Tierhalters gem BGB § 833 S 2 entfällt nur dann, wenn er den ihm obliegenden Beweis der erforderlichen Beaufsichtigung des Tieres geführt hat.

    3. Kann der an einer Kollision zwischen Tier und Kfz beteiligte Pkw-Fahrer nicht nachweisen, daß das Tier unerwartet und auf kurze Entfernung von rechts in die Fahrbahn gesprungen ist, so stellt sich die Verletzung seines Insassen infolge der Kollision mit dem Tier als fahrlässige Körperverletzung gem StGB §§ 230, 233, BGB § 823 Abs 2 dar.


    Punkt 3 ist genau das, was ich die ganze Zeit schon sagte; die sinngemäße Auslegung solltet ihr ja noch hin bekommen...
     
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