Eine Frage an die Weinkenner unter euch...

Diskutiere Eine Frage an die Weinkenner unter euch... im Off-Topic Forum im Bereich Skoda Community; Hallo, ihr Lieben, heute habe ich mal eine völlig fachfremde Frage; ich gehe mal davon aus, dass es unter euch bestimmt einige gibt, die sich mit...
Herwyn

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Hallo, ihr Lieben,
heute habe ich mal eine völlig fachfremde Frage;
ich gehe mal davon aus, dass es unter euch bestimmt einige gibt, die sich mit Wein auskennen, und da ich - sowohl aus geschmacklichen Gründen als auch aus Prizip - keinen Alkohol trinke, habe ich davon auch keinerlei Ahnung. Nun schreibe ich aber an einer Geschichte, in der ich glaube, den Wein, den die Leute da trinken, benennen zu müssen, und zwar Name und Jahrgang, und da hoffe ich jetzt einfach mal auf eure Hilfe.

Die Geschichte spielt im Spätsommer 2007, und die Situation ist kurz gesagt folgende:
Der Ich-Erzähler in dieser Szene, IT-Fachmann, Mitte/Ende 40, ist seit Ostern in Indien, um dort eine Zweigstelle seiner Firma aufzubauen. Er kommt gerade zurück, weil sein Vater, Mitte 70, einen Herzinfarkt hatte, wird am Hbf Bonn von seiner Frau abgeholt und erfährt dabei, dass sein Vater am Vortag gestorben ist. Die beiden fahren also zu seiner Mutter, die seit dem Infarkt von seiner Frau betreut wird, da sie krankheitsbedingt (MS?) fast vollständig gelähmt ist. Sie war aber schon vorher eine unerträgliche Giftspritze, besonders gegen diese Schwiegertochter, aber eigentlich gegen alle.
Für die Zeit, in der Birgit ihren Mann abholt, hat sie dessen Nichte (20) engagiert, die ihr sogar angeboten hat, die Nacht über bei ihrer Großmutter zu bleiben, damit Birgit und Jochen wenigstens die erste Nacht (nach nem halben Jahr Trennung!) ungestört zusammen verbringen können, hat aber anschließend ihren Freund eingeladen, ebenfalls zu ihrer Großmutter zu kommen (Es gibt zwei Gästezimmer im Haus).

Die Großeltern stammen beide aus sehr renommierten Bonner bzw. Godesberger Familien mit untadeligem Ruf und Geschmack. Nicht gerade stinkreich, aber durchaus wohlhabend. Der verstorbene Vater war Ingenieur in irgendeinem sehr speziellen Fachgebiet; vielleicht Geologe o.ä.

Jetzt die Szene, in der ich finde, dass der Wein konkret benannt werden müsste:


Jetzt steigen wir aus, schließen ab und gehen zur Haustür; Birgit hat einen Schlüssel, klingelt aber trotzdem, damit Mutter und Maike auf uns vorbereitet sind. Es öffnet ein junger Mann, den wir beide nicht kennen, und der fragt: „Sie wünschen?“ Grinst aber dann so breit, dass wir sofort merken, dass das nicht ernst gemeint ist; er vergewissert sich, dass wir Jochen und Birgit sind, und bittet uns herein. Wie vermutet, ist es der Freund von der Maike, und er stellt sich als ‚der Dominik‘ vor. Spontan erinnere ich mich, dass das Kennzeichen des Golf hinter dem BN mit D anfing, also dürfte das wohl seiner sein, und der Mazda wahrscheinlich der Maike gehören.
Während wir reingehen, erkundigt sich die Birgit neugierig, wie die Mutter denn sein Erscheinen aufgenommen habe, und er rollt mit den Augen.
„Na ja,“ meint er achselzuckend, „die war ganz schön pampisch zuerst. Aber die Maike hat ihr eiskalt klargemacht, dasse sisch bedeckt halten soll, beziehungsweise dasse nit in der Situation wäre, uns hier Vorschriften zu machen – wennwer schonn extra unsere Freizeit opfern, um uns um sonne Schreckschraube zu kümmern. Und dasse sisch jaanit erdreisten soll, uns mehr als unumgänglisch ausem Schlaf zu reißen heute Nacht.“
„Oder aus euren sonstigen Aktivitäten,“ ergänzt die Birgit; mir stockt der Atem, aber er fängt an zu lachen: „Ja, eben; dadraus ers rescht nit!“
„Aber dass die Mutter das akzeptiert hat...“ wundert sich meine Frau.
„Na jaa...,“ schränkt er ein und grinst, „sie war schonn zimlisch beleidischt. Aber was sollse denn machen? Sie kann ja nit. Und nach ner Weile tat se dann so, als wenn nie was gewesen wär.“
Ach so . . . ja, dann . . .
Als wir ins Wohnzimmer kommen, sitzen Mutter und Maike auf der Couch und sehen fern.
Ich sage meiner Nichte ‚halló‘, trete zur Mutter, gebe ihr die Hand und begrüße sie.
„Ich nehm an, du hàses schonn gehört,“ stellt sie fest, ohne meinen Gruß zu erwidern. Und obwohl ich ja keine andere Behandlung gewöhnt bin, empfinde ich diese nach mehr als einem halben Jahr Abwesenheit und in Verbindung mit Birgits Bericht als klaren Affront. Entsprechend spüre ich deutlich in meinem Bauch ein Gefühl aufkommen, das ich noch nicht genau definieren kann, erkenne aber bereits, dass sie es mir, wenn sie so weitermacht, durchaus erleichtert, meiner soeben auferlegten Pflicht nachzukommen.
„Ja, habich,“ bestätige ich ihr, „tut mir leid für ihn, dasich es nich früher geschafft habe.“
„Das hätte auch nichts gebracht,“ konstatiert sie sachlich, oder, kommt es mir vor, vielleicht sogar mit einem Hauch von Verachtung, „der hat sowieso die ganze Zeit im Koma gelegen und nichts mehr mitbekommen. Das wär völlich sinnlos gewesen, wenn du ehr gekommen wärs.“
„Ach so. Dann binnich ja richtich pünktlich,“ kann ich mir nun nicht verkneifen, „hat die Birgit mir auch schonn gesacht. Dann könnwer ja morgen mit der Planung der Beerdigung anfangen. Weiß der Hartmut schonn Bescheid?“
„Ja. Und jetz sei still. Der Film geht noch ne Viertelstunde. Danach besprechenwer dann, wie das morgen ablaufen soll. Hartmut und Iris kommen auch.“ Und dann schaut sie wieder demonstrativ auf den Fernseher; wir anderen sehen uns an und können uns ein stilles Lachen nicht verkneifen. Widmen uns dann aber auch – notgedrungen oder auch neugierig – ebenfalls dem Rest des Films.
Als der zu Ende ist, schalten wir den Fernseher aus, und Birgit fragt in die Runde, ob noch ein Schlaftrunk gewünscht wird. Verblüffenderweise sind alle einverstanden, sogar die Mutter, aber selbstverständlich bestimmt sie, welchen Wein wir nehmen dürfen! Aber das ist natürlich in Ordnung; zum einen ist es schließlich ihrer, und zum andern gibt es hier im Hause ohnehin keine minderwertigen Dinge! Ich hole zwei Flaschen aus dem Keller, und während wir unser Glas
89er XYZ genießen, klären wir den morgigen Tagesablauf ab. Angesichts unserer Überzahl muss die Mutter sich sogar darauf einlassen, dass wir nicht vor acht Uhr zum Frühstück erscheinen werden; aber viel später sollte es auch nicht werden, denn wir wollen uns ja spätestens um zehn am Krankenhaus mit Hartmut und Iris treffen und uns vom Vater verabschieden, bevor gegen elf der Bestatter kommt und ihn abholt. Danach, so die Planung, fahren wir alle sechs nach hier, einschließlich der Maike, denn die hat morgen keine Termine, und besprechen alles Weitere. Insbesondere die Beerdigung.
Anschließend machen Birgit und Maike die Mutter bettfertig, während ich mich im Wohnzimmer mit dem Dominik unterhalte; vor allem über berufliche Perspektiven. Insbesondere ist er natürlich neugierig, wie sich meine Arbeit in Bangalore gestaltet, und durchaus gelinde geschockt, als er begreift, welche Probleme sich dort auftun.
Als unsere Frauen wieder dazustoßen, sind wir noch mitten im Gespräch; deshalb setzen sie sich etwas abseits und reden über die Mutter.
So wird auch die zweite Flasche
XYZ noch leer, und dann verabschieden wir uns und verziehen uns in die beiden Gästezimmer. Zum Glück denke ich dran, vorher eben meinen Koffer reinzuholen!
Während wir uns ausziehen, berichtet Birgit mir, dass die Maike, bevor der Dominik kam, versucht habe, der Mutter ein paar Erinnerungen zu entlocken, die ihr darüber hätten Aufschluss geben können, wie sie zu einem solchen Drachen werden konnte. Aber das sei leider fehlgeschlagen; die Mutter habe sich kaum Informationen aus ihrer Vergangenheit aus der Nase ziehen lassen, schon gar keine, die diesbezüglich irgendetwas verständlich gemacht hätten. Nun ja, das wundert mich nicht; obwohl ich mir hätte vorstellen können, dass sie sich der Maike noch am ehesten geöffnet hätte. Aber sei’s drum; die Chance, irgendeinen emotionalen Zugang zu meiner Mutter zu bekommen, der uns ihre unendliche Verbitterung auch nur ansatzweise erklären könnte, ist wohl gleich null. Der Zug ist definitiv abgefahren. Oder eher: den hat es wohl nie gegeben...


So; die '89' ist natürlich nur eine Idee und der einzige gute Jahrgang aus der letzten Zeit vor 2007, den ich kenne; der Punkt ist natürlich auch, dass sie für diese Gäste und diesen Anlass keinesweg einen besonders guten Wein wählen würde, andererseits trinkt sie ja auch selber mit... Und da kenne ich echt niemanden, der mir dazu einen qualifizierten Rat geben könnte!
Nun bin ich mal gespannt auf eure Ideen!

Vielen Dank im Voraus,
Euer Herby


HY#O5
 
arcdxf

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Wenn es ein Spätburgunder sein soll empfiehlt sich ein 89er Assmannshäuser Höllenberg.
 
KIB Mr. T

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Wenn Wein, dann nur Gänsewein oder Leitungsheimer.
 
Herwyn

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@ KIB Mr. T : da bin ich natürlich ganz bei dir; aber doch nicht in den oben beschriebenen Kreisen!

@ arcdxf : Woher bitte soll ich wissen, ob es ein Spätburgunder sein soll??

Außerdem habe ich mal auf die entsprechende Heimseite geschaut: Das muss ja ein ganz edler und berühmter Tropfen sein!
Sowas sollten die Eltern wahrscheinlich sogar im Hause haben, aber die alte Giftnudel würde den doch niemals anbrechen - weder für so einen Anlass noch für ihre verachtete Schwiegertochter und die 'geschmachsfreien' Enkel, die ihn eh nicht zu schätzen wüssten (Ihrer Ansicht nach)! Nur - sie trinkt ja auch davon mit; das ist eben das Dilemma: was würde sie diesen (in ihren Augen) Banausen bei so einem nichtigen Anlass zugestehen, was sie aber selber auch halbwegs genießen könnte? Wie gesagt: billiges Zeug haben sie selbstverständlich erst gar nicht im Hause...


weiterhin im Trüben fischende Grüße
vom Herby


HY#O6
 
arcdxf

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Ist die Weinfrage mittlerweile eigentlich geklärt?🤔
 
Herwyn

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Hallo arcdxf,

ja, ist sie; danke der Nachfrage!

Ich habe mir dann mal die Zeit genommen, alle vier mir bekannten Alkoholika-Fachgeschäfte hier in Essen abzuklappern, von denen immerhin zwei mich einigermaßen engagiert beraten haben. Ich habe mich daraufhin für einen 2003er Spätburgunder aus dem Hause Kriechel in Bad Neuenahr entschieden, davon soll die (Liter-) Flasche etwa 8 € kosten (gekostet haben?), was ich angesichts der geschilderten Situation für angemessen halte. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass der einfach nur Spätburgunder heißt und gar keinen besondern Namen hat - ich dachte, sowas gäbe es gar nicht, zumindest nicht bei Winzern, die ein gewisses Renommee haben...

LG vom Herby


HY#O13
 
arcdxf

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Hallo Herby,
Danke für die ausführliche Rückmeldung!
Da hättest du gleich den Assmanshäuser Höllenberg nehmen können. 😉
Grüße
arcdxf
 
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