Die Ampel zeigte auf Rot – Polizei rammte VW Bora

Dieses Thema im Forum "sonstige Autothemen" wurde erstellt von Fabian, 05.04.2002.

  1. Fabian

    Fabian Guest

    Folgendes konnte ich heute in der Chemnitzer Morgenpost im Artikel
    „Die Ampel zeigte auf Rot – Polizei rammte VW Bora“ lesen:

    ... Wie man sich bei einem nahenden Polizeiauto, einer Feuerwehr oder einem Rettungswagen verhalten soll, erklärt Polizeisprecher Frank Fischer: „ Kommt das Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Sirene angefahren, ist sofort freie Bahn zu machen. ...

    ... Fährt das Einsatzfahrzeug jedoch nur mit Blaulicht, ist das ein Warnsignal. Hier ist Platzmachen keine Pflicht. ?( ...

    Meine Fahrschule ist zwar schon eine Weile her, aber dass war mir neu.
    Ob es stimmt ? Na ja, wenn es ein Polizeisprecher sagt.
     
  2. AdMan

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  3. Paul

    Paul

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    Hallo zusammen, Hallo Fabian,

    also, das, was der Herr Polizeisprecher da sagt, ist vom Gesetz (StVO) her vollkommen richtig.

    Nur läuft die Praxis ein wenig anders. Wenn von hinten ein Einsatzfahrzeug angefahren kommt und dabei nur das Blaulicht :polizei: und nicht zusätzlich die Sirene an hat, dann ist man als normaler Autofahrer nicht verpflichtet Platz zu machen.

    Nur gibt es gewisse Situationen, in denen es für die Beamten einfach unsinnig ist, die Sirene anzuschalten.

    z.B.: 1) auf der Fahrt zu einem gemeldeten Einbruch oder zu einem Banküberfall, wo noch der oder die Täter da sein sollen. Wenn man da die Sirene anmacht, dann hört das der dümmste Einbrecher. Entweder er flüchtet (Einbrecher) oder er nimmt ne Geisel (siehe vorgestern). Das ist das Schlimmste, was passieren kann.
    z.B.: 2) nachts im Stadtbereich. Alles schläft. Nur die Einsatzkräfte lärmen durch die Gegend. Die Blaulichter reichen meist aus und sind meist weit genug zu sehen.

    z.B.: 3) die Behandlung im Rettungswagen: manche Patienten vertragen die Aufregung der Sirene nicht auch noch. Außerdem behindert das auch ganz schön die Kommunikation im Wagen.

    Wichtig generell!!!:
    Wenn man von hinten so ein Fahrzeug mit Blaulicht :polizei: und/oder Sirene kommen hat, dann nicht bremsen und im Weg stehen bleiben, sondern in eine Parklücke oder auch in den Kreuzungsbereich oder die Grünfläche oder sogar in den Gegenverkehr reinfahren (Bitte beachtet dabei aber auch die anderen Fahrzeuge). Man muss nicht anhalten - "nur" Platz machen .

    Ach, noch was:
    Wenn man schon laut Musik hört (Ich mag und mach das auch.), dann sollte man 5mal mehr in die Spiegel schauen, damit man so ein Einsatzfahrzeug nicht übersieht. Man sollte sich nur mal überlegen, wie man sich fühlt, wenn die Frau/der Mann/man selbst mal Hilfe von Feuerwehr/Rettungswagen/Polizei braucht und die Kräfte 3 Minuten später ankommen, weil erst ein Autofahrer seine serienmäßig vorhandenen Spiegel nicht benutzt und der zweite und vierte anhalten und dabei im Weg stehen bleiben. 3 Minuten können so lange sein, das reicht um mehrfach zu sterben.

    Naja, ihr merkt vermutlich, dass ich diesbezüglich persönlich betroffen bin. Fahrt alle vorsichtig!

    Gruß Paul.
     
  4. #3 Chris74, 06.04.2002
    Chris74

    Chris74 Guest

    @paul



    "Nur läuft die Praxis ein wenig anders"

    ----> leider!


    "Nur gibt es gewisse Situationen, in denen es für die Beamten einfach unsinnig ist, die Sirene anzuschalten.

    z.B.: 1) auf der Fahrt zu einem gemeldeten Einbruch oder zu einem Banküberfall, wo noch der oder die Täter da sein sollen. Wenn man da die Sirene anmacht, dann hört das der dümmste Einbrecher. Entweder er flüchtet (Einbrecher) oder er nimmt ne Geisel (siehe vorgestern). Das ist das Schlimmste, was passieren kann."

    ----> das ist aber polizeigesetz und nicht stvo



    z.B.: 2) nachts im Stadtbereich. Alles schläft. Nur die Einsatzkräfte lärmen durch die Gegend. Die Blaulichter reichen meist aus und sind meist weit genug zu sehen.

    z.B.: 3) die Behandlung im Rettungswagen: manche Patienten vertragen die Aufregung der Sirene nicht auch noch. Außerdem behindert das auch ganz schön die Kommunikation im Wagen.

    ----> wer so handelt steht im Falle eines Unfalls ganz schnell vor dem Richter!

    ein ebenfalls betroffener

    Chris 74
     
  5. #4 boomboommelli, 06.04.2002
    boomboommelli

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    Zu diesem Thema möchte ich noch sagen,daß das optische Erkennen des Blaulichtes wichtiger ist,als das akustische Wahrnehmen,denn es gibt ja auch gehörlose und schwerhörige Autofahrer,Blinde hingegen fahren nicht aktiv Auto!Mein 44-cm-Innenspiegel hat mir da schon wertvolle Dienste erwiesen!Ich kritisiere jedoch die eher dezente Ta-Tü-Ta-Tü -Tonfolge,die nur aus zwei Frequenzen besteht,die amerikanischen (schrilleren) Sirenen finde ich wesentlich effektiver!Könnte ich mir auch in Deutschland vorstellen!Aus eigener Erfahrung behaupte ich auch noch,daß in vielen Fällen das "Platzmachen"in Form von Davonfahren vor dem Einsatzwagen die bessere Wahl ist,falls die Strecke frei ist!Was ich nicht mache,ist z.B.auf einen Bürgersteig ausweichen,denn die Schäden,die dann an meinen Felgen und Reifen dabei entstehen,zahlt mir kein Mensch!
     
  6. #5 Supernova, 06.04.2002
    Supernova

    Supernova Guest

    lustig ist es auch, wenn die Spur, wo der Krankenwagen fährt total frei ist, und die Fahrzeuge auf der Gegenspur, die damit gar nix zu tun haben, plötzlich anhalten....
    Darüber könnte ich mich jedesmal aufregen.

    Tschau
    Christian
     
  7. ?

    ? Guest

    Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)

    II. Zeichen und Verkehrseinrichtungen

    §38 Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht

    (1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.

    Es ordnet an:

    "Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen".

    (2) Blaues Blinklicht allein darf nur von den damit ausgerüsteten Fahrzeugen und nur zur Warnung an Unfall- oder sonstigen Einsatzstellen, bei Einsatzfahrten oder bei der Begleitung von Fahrzeugen oder von geschlossenen Verbänden verwendet werden.

    (3) Gelbes Blinklicht warnt vor Gefahren. Es kann ortsfest oder von Fahrzeugen aus verwendet werden. Die Verwendung von Fahrzeugen aus ist nur zulässig, um vor Arbeits- oder Unfallstellen, vor ungewöhnlich langsam fahrenden Fahrzeugen oder vor Fahrzeugen mit ungewöhnlicher Breite oder Länge oder mit ungewöhnlich breiter oder langer Ladung zu warnen.
     
  8. Paul

    Paul

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    Nochmal hallo zusammen,

    @Chris74 / Hallo Ebenfalls-Betroffener:
    1. Die Nutzung von Wege- oder Sonderrechten ist in der StVO geregelt.
    2. Die Nicht-Nutzung der Sirene kann auch aus Gefahrenabwehrgründen erfolgen. Das sehe ich aber eher als rechtliche "Ausrede" (für den Verkehrsrichter), dafür gibt es die o.a. Sonderrechte.
    3. Ich will keine Unfälle "produzieren". Die von mir angegebenen Varianten sind selbstverständlich unter Beachtung der anderen Verkehrsteilnehmer zu unternehmen oder eben zu lassen. Motto: Lieber hundertmal zu viel die Tröte an als einmal zu wenig.

    @boomboommelli:
    1. Im Zweifelsfalle ist eben auch einfaches Stehenbleiben das Beste. Keiner ist verpflichtet sein Auto für eine schnelle Fahrt des Einsatzfahrzeugen zu "opfern". Das zahlt wirklich keiner.
    2. Vor den Einsatzfahrzeuen zu "flüchten" ist auch eine Variante, hat nur einige Gefahren: z.B.:
    a) man fährt in einen Blitzer: Wer zahlt das??? Die Begründung mit den Einsatzfahrzeugen ist möglich, wird aber mächtigen Schreibkram zu Folge haben.;
    b) wenn man denn angehalten werden soll (z.B. weil man so einen aufgemotzten geilen gelben Feli-Pickup *Respekt* hat oder weil ein lieber Bulle einfach mal auf das defekte Bremslicht hinweisen möchte) und man dann "flüchtet", dann kann das schnell nach hinten losgehen (Verfolgung, Anhalten mit gezogenen Schusswaffen, böse Bullen, stundenlange Überprüfungen und Gegenprüfungen, Verwarngeld, Mängelbericht, TÜV, Kosten ...). Dann lieber anhalten.
    3. Die Tröten in den USA sind wirklich besser. Und die Beleuchtung erst ... *schwärm*. Aber die Umrüstung würde zu viel kosten. Und Geld hat nun wirklich kein Land über, besonders nicht Berlin.

    @Supernova:
    Das ist nur blöd, wenn man deutlich getrennte Spuren hat. Lieber einen Meter mehr Platz in der Breite für die Einsatzfahrzeuge als 5cm zu wenig. An sonsten sind diese Gaffer die Schlimmsten und verursachen dabei auch noch Unfälle in der Gegenspur. Dann kann man gleich alles dicht machen.

    Naja, fahrt trotzdem vorsichtig.

    Gruß Paul.
     
  9. #8 boomboommelli, 06.04.2002
    boomboommelli

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    Wenn ein RTW,ein Löschzug oder ein anderes Fahrzeug mit Blaulicht und Signalhorn hinter Dir herfährt,weiß auch der dümmste Verkehrsteilnehmer,daß dies nicht zum Spaß geschieht,und deshalb Platz zu machen (wie auch immer) ist!Doch wie erkenne ich,daß ein Streifenwagen,der hinter mir mit Blaulicht und Sirene fährt,mich anhalten möchte?Eine Aufforderung zum Anhalten,muß meiner Meinung nach entweder durch ein Megaphon (sehr laut!),oder mittels Kelle bzw. der LED-Anzeige "BITTE FOLGEN" geschehen!Dazu muß der Streifenwagen mich aber überholen,denn ein Stop von hinten gibt es nur in Amerika!Oder sie verfolgt mich "unauffällig" bis an mein Fahrtziel,wofür ich mich dann immer bedanke,für den Begleitschutz natürlich
     
  10. Paul

    Paul

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    Und wieder hallo zusammen,

    @Mickey:
    Danke für das Zitat. (Das sollte dann auch zu den §§ genug sein, denke ich.)

    @boomboommelli:
    1. In Berlin (nur davon kann ich ausgehen, weil ich da lebe und arbeite) sind die (ich glaube alle) Funkwagen auch mit Anzeigen ausgerüstet, die nach vorn hin "Bitte Halten" oder "STOP" oder so anzeigen können. Das ist dann recht eindeutig, wenn man es sieht. Diese Anzeigen sind entweder vorn unterhalb der Scheibe bei den VW-Bussen (roter Kasten) oder auf dem Dach zwischen den Blaulichtern.
    2. Es ist seit einiger Zeit im Gespräch und wird (so weit ich weiß) in einigen Bundesländern auch schon so polizeiintern vorgeschrieben, dass Fahrzeuge grundsätzlich von hinten anzuhalten sind. Dies hat die Begründung in der Eigensicherung der Beamten. (Es wurden ja im letzten Jahr mehrere Polizisten erschossen.) Man kann eben weniger überfahren werden und sichert den Ort von hinten ab (Fahrzeug seitlich versetzt und Blaulicht an). Man wird auch in der Nacht als Beamter nach dem Aussteigen nicht von den Scheinwerfern des angehaltenen hinter einem stehenden Fahrzeuges geblendet.
    Meist läuft das so ab, dass der Funkwagen bis auf gleiche Höhe fährt, die "Kelle" zeigt oder einen Spruch abläßt und sich dann zurückfallen läßt. Aber das ist nur Theorie. Häufig sind die Fahrer so "erschreckt", dass sie fast eine Vollbremsung machen und man dann doch davor stehen bleibt, wenn man nicht auch noch rückwärts fahren will (was ziemlich blöd aussehen würde).
    3. Wenn von hinten ein Einsatzfahrzeig kommt und dir keine eindeutigen Haltesignale (Anzeige oder Spruch) gibt, dann nimm im Zweifelsfalle erstmal den Fuß vom Gas und fahre bei der nächsten Gelegenheit irgendwo rechts ran und laß das Fahrzeug vorbei. Du mußt ja nicht gleich halten.
    Nur, wegfahren kann eben ins Auge gehen. :veilchen: ;-)

    Okay, so viel erstmal wieder dazu.
    Gruß Paul.
     
  11. ?

    ? Guest

    Hier mal ein Artikel der vor einiger Zeit in der Autobild zu lesen war:


    Einsätze mit Blaulicht und Martinshorn
    Platz da!


    Das gilt immer, wenn Einsatzwagen mit Sonderrechten fahren. Wer korrekt ausweicht, darf dabei sogar rote Ampeln missachten.

    Lebensgefährliche Einsätze
    Meldungen wie "Im Einsatz verunfallt" kann Klaus Sage (Name von der Redaktion geändert) nur schwer ertragen. Der Polizeiobermeister vom Revier in Frankfurt wurde bei einem Notrufeinsatz lebensgefährlich verletzt. Sage war zu einem Wohnungbrand ausgerückt - Fahrt mit Sonderrechten. Blaulicht und Martinshorn an, los! An einer Kreuzung war Schluss. Der Polizei-Opel rammte frontal eine Ampel, weil er einem Privatwagen ausweichen musste.

    Alltag bei Polizei, Feuerwehr oder Notärzten: Rund zehnmal täglich verunglückt in Deutschland ein Rettungs- oder Notarztwagen im Einsatz. Drei- bis viermal so oft wie normale Autos. Offizielle Zahlen über Polizeiunfälle gibt es nicht, Unterschiede zu den Rettungskräften dürfte es aber wohl kaum geben. Denn bei Blaulichtfahrten wird es im Schnitt alle 20 Sekunden eng: Überholen mit Gegenverkehr, rote Ampeln, Fahren gegen Einbahnstraßen. "Wir sind zwar geübt und fahren konzentriert, aber der Stress ist höllisch", so ein Beamter.

    Immer noch sitzen in Rettungswagen Zivis ohne Fahrausbildung für Notfälle, die nicht kühl bleiben, wenn es heiß hergeht. Polizisten dagegen trainieren in Fahrkursen, im Notfall nicht leichtsinnig zu reagieren. Peter Nötzel, Polizist aus Essen: "Gewagte Manöver bringen höchstens ein, zwei Sekunden. Das Risiko lohnt nicht."

    Falsche Reaktionen
    Größtes Problem beim Einsatz: die anderen Verkehrsteilnehmer. Einige hören die Warnsignale nicht, weil sie telefonieren oder sich mit zu lauter Musik ablenken. Weit schlimmer aber: Viele wissen nicht, was sie tun müssen, wenn die Polizei mit Tatütata kommt. Von 100 Fahrschülern lernen nur 40 den Grundsatz "Bei Blaulicht Straße räumen!", 17 kennen ihn gar nicht. Folge: falsche Reaktionen, Unfälle. Dabei ist es ganz einfach: Mit Blaulicht und Martinshorn darf die Polizei alles, die anderen auf der Straße müssen alles - beide Seiten aber vorsichtig . Der normale Autofahrer muss für die Einsatzwagen Platz machen, egal ob im Kuhdorf oder auf der sechsspurigen Autobahn. Doch wie geht es richtig? Voll in die Eisen zu steigen ist gefährlich und sinnlos. Denn das stehende Auto versperrt die Rettungsgasse.

    Deshalb bei Einsatzsignalen: langsamer fahren, Fahrtrichtung des Einsatzwagens erkunden, Warnblinker setzen, an den Fahrbahnrand rollen, anhalten. Ewig muss dort niemand warten. Sind alle Rettungs- oder Polizeifahrzeuge durch, geht es zurück in die alte Spur - immer der Reihe nach. Kommt später ein weiterer Einsatzwagen, muss wieder Platz gemacht werden. Schlaumeier, die direkt nach dem Blaulichtfahrer durch die Gasse preschen, riskieren viel. Sie können wegen Straßenverkehrsgefährdung den Führerschein verlieren. Im Extremfall endet die Fahrt im Gefängnis. Strafmaß: bis zu fünf Jahre. Glimpflicher kommt Otto Normalverbraucher davon, der mit Blaulicht Polizei spielt: Nur 40 Mark Bußgeld zahlt er an seine echten "Kollegen" (§38 StVO), genauso viel wie ein Polizist, der mit Blaulicht Brötchen holt.

    Polizeiobermeister Klaus Sage war im Einsatz als es krachte. Aus der Narkose erwacht, erfuhr er: Sein Einsatz war überflüssig, der Anruf ein Fehlalarm. Am Telefon war eine geistig verwirrte Rentnerin.

    Bahn frei - aber vorsichtig
    Bei Notfällen oder dringenden Einsätzen sind Polizei und Feuerwehr von den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) befreit. Mit Blaulicht und Martinshorn dürfen sie rote Ampeln überfahren, Einbahnstraßen verkehrt herum benutzen oder lange Staus auf der Gegenfahrbahn überholen. Das gilt auch für Fahrzeuge des Rettungsdienstes, wenn es um Leben oder Gesundheit eines Menschen geht (§ 35 StVO).

    Dies ist jedoch kein Freibrief für Auto-Rambos. Im Klartext: Bei Unfällen mit Einsatzfahrzeugen hat der Einsatzfahrer nur bedingt bessere Karten, denn alle Manöver müssen sehr vorsichtig gefahren werden, der Beamte muss immer mit überraschenden Reaktionen der übrigen Autofahrer rechnen.

    Für alle anderen Verkehrsteilnehmer, also auch Radfahrer und Fußgänger, bedeutet blaues Blinklicht zusammen mit dem Martinshorn: "Sofort freie Bahn schaffen!" (§38 StVO). Freie Bahn heißt: Vorsichtig eine Rettungsgasse schaffen, in der Stadt auf Verkehrsinseln, Gehwege oder kurz in Einbahnstraßen ausweichen. Wer zum Ausweichen bei Rot vorsichtig etwas auf die Kreuzung fährt und geblitzt wird, bleibt unbestraft. Ein Bußgeld gibt es nicht. Es gilt: Bahn frei um (fast) jeden Preis.
     
  12. #11 toaster, 06.04.2002
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    Mal aus der Sicht eines Zivis der häufiger mit Sonderrechten unterwegs ist:

    Offizielle Dienstanweisungen sind natürlich §38StvO. Allerdings sind die inoffiziellen wesentlich effektiver...
    Blautlicht und Frontlichter "immer an", Horn nur bei Kreuzungen, Ausfahrten und unübersichtlichen Stellen. Wozu soll ich es auf gerader Strecke einschalten?

    Generell ist es aber so dass viele Leute absolut überfordert sind wenn sie auch nur schon ein Auto mit blauen Lichtern sehen. Die latschen einfach auf die Bremse, fahren weiter oder reagieren gar nicht.

    Aber nochmal zu den Dienstanweisungen. Offiziell ist es so wenn ich einen Spiegel eines parkenden Wagens abfahre müsste ich das Fahrzeug als "nicht einsatzfähig melden". Was dass u.U. für die Person die auf den RTW wartet bedeutet kann man sich denken.
    Es wird also so geregelt, weiterfahren und später mit dem Kollegen in grüner Uniform bei einem Kaffee klären.
    Alles andere wäre total sinnlos.

    Wenn ich unterwegs bin sind mit die Felgen anderer Leuter ziemlich egal. Ich denke wenn diese Leute auf den RTW warten müssten würden sie es ähnlich sehen.

    Man glaubt nämlich gar nicht wie viele Idioten es im Straßenverkehr gibt - das bekommt man als "normaler" Autofahrer nur unzureichend mit.
    Jeder Bus- und Straßenbahnfahrer wird mir das wohl bestätigen können...
     
  13. Paul

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    Schon wieder hallo zusammen,

    @toaster:
    Das ist doch genau das, was ich meine.
    Grundsätzlich ist es mir auch egal, ob sich einer, der mir aus dem Weg fährt oder fahren muss die Felgen lädiert. (Ich würde sowas selbst zwar sehr ungern tun, aber im Zweifelsfalle bin ich auf jeden Bürgersteig eher drauf als der Funkwagen oder RTW zu mir ran ist.) Nur sage ich ausdrücklich dazu, dass grundsätzlich keiner verpflichtet ist sein Auto zu "verschrotten", nur weil ich oder du oder sonst einer im Eileinsatz da von hinten mit Blaumann und Tröte komme/st/t. (Obwohl mir da gerade ein Beispiel einfällt, wo man sogar verpflichtet wäre auch auf einen Bürgersteigzu fahren und die Felgen zu "opfern": wenn man in einer einspurigen Straße (Einbahnstraße) fährt, dann muss man als normaler Autofahrer ausweichen und da geht ja nur der Bürgersteig. (Aber das ist ja nur ein theorotisches Beispiel.))

    Und weil kaum ein "normaler" Autofahrer, von denen wir hier im Forum mehrere haben werden, weiß, wie er sich verhalten soll oder eben nicht soll, deswegen nutze ich hier die Möglichkeit ein paar kleine Tipps zu geben.

    @Fabian:
    In diesem Zuge danke für den Ursprungsaufhänger, den Zeitungsartikel.

    Fahrt weiterhin alle vorsichtig.
    Gruß Paul.
     
  14. #13 toaster, 06.04.2002
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    Es soll ja auch gar nicht erst soweit kommen dass was zu Bruch geht... einfach einmal mehr mitdenken ist die Lösung aller Probleme (wie eigentlich ja auch immer...).
     
  15. AdMan

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  16. #14 Astaroth, 06.04.2002
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    Astaroth Guest

    Man sollte aber auch nicht ausser acht lassen, dass Einstazfahrzeuge sich beim überqueren der Roten Ampel von der freien Bahn überzeugen müssen, und auch nicht mit Vollgas über diese Fahren dürfen.n einem Fall, wo es am Ende darauf hinausgelaufen ist, dass der Polizist grob Fahrlässig gehandelt hat, da er nach den berichten einiger Augenzeugen nach sehr schnell in die Kreuzug eingefahren ist. Blaulicht ist also auch kein Freischein. Nur das Platzmachen gehört einfach auch dazu. Nur ist man auch nicht verplichtet, sich selbst in Gefahr zu bringen, oder man kann auch mit einer Strafe rechnen, wenn man andere Gefährdet (Auf den Bürgersteig fahren, kann icn hecktischen Momenten für Fussgänger gefährlich sein.

    Gruss
    Jürgen
     
  17. ?

    ? Guest

    Der Fahrer eines Rettungswagens trägt bei einem Unfall während eines Notfalleinsatzes zumindest eine Teilschuld. Er muss deshalb zu 20 Prozent für den Unfallschaden aufkommen, geht aus einem am Mittwoch (14.8.) veröffentlichten, rechtskräftigen Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Nürnberg hervor (Aktenzeichen: 4 U 1001/02). Auch das Blaulicht entlasse ihn nicht gänzlich aus der Haftung, heißt es in dem Urteil vom 3. Juli 2002.

    Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass der Fahrer eines Krankenwagens trotz seiner Sonderrechte im Straßenverkehr auch in Notfällen an die Verkehrsregeln gebunden sei. "Grundsätzlich dürfen Sonderrechte nur unter größtmöglicher Sorgfalt wahrgenommen werden", heißt es in dem Urteil ergänzend. Insbesondere bei einer roten Ampel müsse sich der Fahrer vergewissern, dass sämtliche Verkehrsteilnehmer ihn bemerkt hätten.

    Quelle
     
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